Casinotheater Winterthur


Premiere: 30.08.2018 | Operette

Die Rache der Fledermaus

nach Strauß/Haffner/Genée
Bearbeitung: Kai Tietje/Stefan Huber

Stückinfo

So etwas haben Sie noch nie gesehen, geschweige denn gehört: Johann Strauss berühmtestes Werk «Die Fledermaus» ohne Geigen und ohne Plüsch, dafür mit Bass, Gitarre und schrägen Rhythmen. Das Casinotheater bringt den Klassiker in einer Form auf die Bühne, die Liebhaber und Hasser von Operetten gleichermassen zu begeistern vermag. In einer witzig-schrägen Bearbeitung der «Fledermaus» bedienen sich Kai Tietje (Musikalische Leitung) und Stefan Huber (Regie) respektlos aller musikalischen Klischees, verarbeiten die Hits des Walzerkönigs zu Swing und Tango oder lassen die berühmte Ouvertüre als A-cappella-Nummer erklingen. In der Geschichte um Vergnügungssucht, Schadenfreude und elende Besäufnisse singen, spielen und betrügen Tobias Bonn und Christoph Marti (Geschwister Pfister) als übersättigtes Ehepaar Gabriel und Rosalinde, während Stefan Kurt (Papa Moll) als dauerbesoffener Gefängniswärter Frosch durch das Geschehen stolpert. Musik und Figuren wirbeln wild durch sämtliche Epochen, von der Belle Époque bis zur Hippie-Zeit. (Text: Casinotheater)


Weitere Infos und Karten finden Sie auf: www.casinotheater.ch

Kreativteam

Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Kai Tietje
Choreographie: Danny Costello
Bühnenbild: Heike Seidler/Stefan Huber
Kostüme: Heike Seidler
Lichtdesign: Stefan Nievergelt/Stefan Huber
Sounddesign: Thomas Wand

Cast

Szenenfotos

Video






Pressestimmen

Stefan Busz, Tagesanzeiger/Landbote

"(...) In der «Rache der Fledermaus», der neuen Eigenproduktion des Casinotheaters Winterthur, wird auch recht gesoffen. Doch das Publikum bekommt etwas ab von diesem Rausch der Operette. Uns ist vor Glück ganz leicht geworden, wie nach zwei, drei Gläschen Champagner. Und fast hätten wir vor lauter Begeisterung den Nachbarn geküsst.(...) In der «Rache der Fledermaus», der neuen Eigenproduktion des Casinotheaters Winterthur, wird auch recht gesoffen. Doch das Publikum bekommt etwas ab von diesem Rausch der Operette. Uns ist vor Glück ganz leicht geworden, wie nach zwei, drei Gläschen Champagner. Und fast hätten wir vor lauter Begeisterung den Nachbarn geküsst. «Die Fledermaus» sei eine maximale Operette, hat einmal Nikolaus Harnoncourt gesagt, turmhoch den anderen überlegen. «Die Rache der Fledermaus» ist die Steigerungsform von maximal. Denn Regisseur Stefan Huber und sein musikalischer Leiter Kai Tietje gehen in ihrer Bearbeitung über die Grenzen der Operette hinaus. Weg mit dem Plüsch, her mit schrägen Tönen, heisst das Programm. Da singt schon mal Tenor Alfred «Goodbye, My Love, Goodbye». Minimal ist aber die Besetzung. Neun Schauspielerinnen und Schauspieler stehen auf der Bühne, die auch Sängerinnen und Sänger sind. Die Musik machen die Zucchini Sistaz, Francesco Carpino und Kai Tietje. Und auf einmal swingt dieser Johann Strauss.(...)"

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Rosmarie Mehlin, Aargauer Zeitung

"Die Rache der Fledermaus» im Casinotheater Winterthur – eine ebenso schräge wie bestens gelungene Interpretation von Johann Strauss’ weltberühmtem Opus.(...) Mit «Die Rache der Fledermaus» hat nun das Casinotheater Winterthur «eine liebenswerte Abrechnung mit Johann Strauss» in Szene gesetzt. Wer als Kenner und Liebhaber des Operetten-Genres, beherrscht von grimmiger Vorahnung der Aufführung trotzend fernbleibt, schneidet sich ins eigene Fleisch. Denn in dieser schrägen, urkomischen Version wird bei allem Klamauk dem Opus als solchem sowie – auf ungewöhnliche, aber überzeugende Weise dem musikalischen Kunstwerk von Johann Strauss die gebührende Ehre erwiesen. Sämtliche der unzähligen Ohrwürmer sind zu hören – in anderen, spannenden Rhythmen, intoniert auf ebenso überraschenden, wie faszinierenden Instrumenten – vom Akkordeon bis zur «singenden Säge» – und mit köstlichen Texten gesungen. Egal ob im Original wohlbekannte Walzer, Csárdás, Galopp, Polka, ob Solo, Duett, Quartett: Sie alle erklingen neu, anders, frisch, aber genauso wunderbar wie in der klassischen Version. Für dieses «Klangwunder» zeichnen die Multiinstrumentalisten Francesco Carpino aus Zürich und die «Zucchini Sistaz» – drei Musikerinnen aus Deutschland – verantwortlich, die sie unter Leitung von Kai Tietje, notabene dem Leiter der Komischen Oper Berlin, begeisternd interpretieren. Zuhören ist das eine Vergnügen; das andere – nicht weniger mitreissende – ist das Zuschauen. Der Hochgenuss beginnt in der Ausstattung, vorab den erlesen-originellen Kostümen (Heike Seidler), setzt sich fort in der wunderbar einfalls-, geist- und temporeichen Inszenierung von Stefan Huber und gipfelt im umwerfend lustvoll agierenden Ensemble. Mit ebenso nonchalanter Grandezza gibt Christoph Marti (besser bekannt als Ursli von den «Geschwistern Pfister») die betrogene und betrügende Rosalinde, wie die Berlinerin Stefanie Dietrich einen hinreissenden Prinzen Orlofsky verkörpert. Auch ohne «Geschlechtsumwandlung» überzeugen unter anderem die Zürcherin Gabriela Ryffel als Stubenmädchen, der Deutsche Tobias Bonn (alias Toni Pfister) als Eisenstein, der Urner Rolf Sommer als Gefängnisdirektor und der Berner Max Gertsch als «Rächer» Dr. Falke. Und dann ist da noch Stefan Kurt, bekannt auch als «Papa Moll». Als Gefängniswärter Frosch pfeffert er ein Kabinettstücklein der Extraklasse auf die Bühne: Vom «Alpenbitter»-Konsum gezeichnet, Berndeutsch lallend, schwankend wie eine Barkasse bei hohem Seegang, Polos «Kiosk» in Endlosschlaufe singend stellt Kurt sein komödiantisches Talent schlagend unter Beweis – wie das sämtliche Mitwirkenden tun. Wahrlich: Diese Rache ist nicht nur süss – sie ist ein wonnigliches Amüsement."




Daniele Muscionico, Neue Zürcher Zeitung

"(...) Es ist eine elende Sache mit dem Spass. Würde er nicht so viel Arbeit machen, er wäre nicht das rare Tier: Spass ist an das Zwerchfell delegierte Sinnsuche. Dass man die Schweiz zumeist als spassfreie Zone erlebt, hat ökonomische Gründe. Wer kann es sich hier leisten, die sauer verdiente Freizeit für Spass aufzuwenden? Ist man einmal erwachsen geworden, ist Lachen unbezahlbar. Spass macht Gedankenarbeit, die man ihm allerdings nicht ansehen darf. Auch das macht den Witz zum König der Kunst. Die königliche Bühne dafür steht in Winterthur, im Casinotheater, dem grössten Privattheater der Schweiz. Königlich ist hierzulande wenig, doch das Casinotheater ist es. Die Schweiz mag die Nation sein, wo nach Scott Fitzgerald sehr wenige Dinge ihren Anfang nehmen, aber viele ihr Ende. Für diese Bühne gilt das Gegenteil: Es ist das Haus, wo der Witz seit Gründung ein Dach über dem Kopf hat. Das Casinotheater hat das Lachen rehabilitiert und wieder gesellschaftsfähig gemacht.Hier behandelt man Unterhaltung so, wie an anderen Bühnen der Ernst behandelt wird, mit Ehrfurcht und Respekt. Dass der Verwaltungsratspräsident selbst im komischen Fach zugange ist, macht die Sache rund: Viktor Giacobbo hat das Haus mit Künstlerfreunden gegründet, hilft bis heute bei der Geldsuche mit und dient als Verkaufsköder genauso wie als Visitenkarte. Wie anders wäre sonst zu verstehen, dass man sich nun etwas leistet, was sich kein vom Verstand geleitetes Theater leisten kann? Ohne Not, ohne dass ein Überschuss in der Kasse verpulvert werden müsste, verhält man sich sinnfrei unökonomisch gemäss dem Motto: Der Witz ist König. Man steigt in die Musiktheatergeschichte und inszeniert das missliebigste Genre, das sich unter Intellektuellen denken lässt, eine Operette – Johann Strauss’ populärstes Werk «Die Fledermaus». Dazu engagiert man eine Truppe, die allein durch die Anzahl der Beteiligten so kostspielig sein muss, dass die Löcher im Budget vorauszusehen sind. Idealismus nennt man das wohl: Kunst ist unberechenbar, sie entsteht bar jeder Vernunft. «Die Rache der Fledermaus» ist eine Adaptation an heutige Gesellschaftsverhältnisse und die grösste, die teuerste, die witzigste, die musikalischste – und ohne Frage die professionellste Eigenproduktion in der Geschichte des Hauses. Superlative à gogo. Wer die Vorlage kennt, wird wenig wiedererkennen. Frei von Plüsch und Pomp, von Geigensäuseln und tenorigem Gewinsel, von Kulissenzauber und Perückenschlachten wird die Fledermaus gefleddert. Allein die Ouvertüre: Frontal sitzt das Ensemble vor dem Publikum, man singt a cappella. Was folgt ist ein Kondensat der Geschichte über menschliche Falschheit, Feigheit und Doppelmoral. Präzise wie ein Uhrwerk ist das, die Choreografie zum Schreien komisch, und hochmusikalisch ist die Band arrangiert von Kai Tietje, dem musikalischen Leiter der Komischen Oper Berlin. Auf der Bühne drängt sich ein All-Star-Team, das man so noch nie gesehen und gehört hat. Wüsste man um die Adresse nicht, man wähnte sich nicht nur Tietje wegen an der Komischen Oper! Die «Fledermaus»-Helden nämlich sind dort seit der Produktion «Clivia» eine etablierte Truppe. Im Hintergrund federführend, zäh und beharrlich in seinem Wunsch, das Quartett einmal zu verpflichten, darf einer aufatmen: Paul Burkhalter, der erste künstlerische Leiter und bis heute Programm-Beirat des Hauses. Burkhalter hatte die Idee, und nach vier Jahren ist es so weit, vier Freunde aus Berner Tagen drehen zum ersten Mal in der Schweiz zusammen ein Ding. Es sind das der hoch dekorierte Stefan Kurt und seine Kollegen. Kein Weg kann zu lange sein, um Kurt auf dieser Bühne zu besichtigen. In Winterthur spielt er sich frei und sprüht mit der Energie einer Flasche Champagner: Veuve Clicquot, mindestens. Kurt ist als Winkeladvokat «Doktor Blind» ein Nervenbündel, als daueralkoholisierter Gefängniswärter «Frosch» ist er halb Hauswart eines Berner Problemquartiers und halb Berufskollege im Regionalgefängnis. Diese «Fledermaus» schafft den Spagat von Johann Strauss bis Botho Strauss. Nebst Kurt spielen die männlichen Protagonisten der «Geschwister Pfister», Tobias Bonn (Gabriel von Eisenstein) und Christoph Marti (Rosalinde). Stefan Huber ist der vierte der vier Freunde, als Regisseur kein seltener Gast in Winterthur und vertraut mit dem Potenzial der Beteiligten. Huber hat für die Schauspielerinnen und Schauspieler Rollen geschrieben, die exakt auf ihr Können zugeschnitten sind. Das Glück der Stunde vermehrt die Schweizer Muscialdarstellerin in Wien Gabriela Ryffel als Adele. Und dass die Wuchtbrumme und Kabarettistin Stefanie Dietrich dem Grafen Orlofsky eine wehmutsvolle Wodkazunge leiht, ist nur einer von zahllosen Höhepunkten der Produktion. Wer gerne rechnet, hätte sie verhindern müssen. Wer gerne lacht, wird sie besuchen müssen."




Martina Friedrich, blickpunkt musical

"...Regisseur Stefan Huber und Musiker sowie Dirigent Kai Tietje bearbeiteten "Die Fledermaus". (...)Die auf circa zwei Stunden verkürzte Fassung in der Inszenierung von Stefan Huber besteht nicht wie in der Originalversion aus drei, sondern nur aus zwei Akten. Dafür kürzte Stefan Huber Szenen auf das Wesentliche, verzichtete auf Lieder oder brachte neue Lieder ein.(...) Mit enormer Spielfreude wird die lebendige, pointenreiche Inszenierung von Stefan Huber von dem großartigen Cast und Orchester wunderbar dargeboten. Zu Recht feierte das Premierenpublikum von der ersten bis zur letzten Szene mit viel Applaus die liebenswerte Abrechnung von Stefan Huber und Kai Tietje mit Johann Strauss."




BR-KLASSIK, Operettenfrosch

Los geht´s … …mit Ouvertüre, aber gesungen und zwar so, dass die gesamte Vorgeschichte erzählt wird. Überraschung: Es gibt kein Bühnenbild, nur eine leere Bühne und ein paar Sessel, dahinter die 60er Jahre-Combo mit den 3 Zucchini Sistaz, dem 13 Instrumente-Virtuosen Francesco Carpino und Kai Tietje am Flügel und am Akordeon. Animierende Show-Atmosphäre! Größte Lacher: Der Auftritt von Stefan Kurt als Frosch - ein einziger 20-minütiger Lacher. Dieser Frosch ist ein Tragikkomiker des Alkoholismus mit berndütschen Sprach- und sonstigen Körper-Verrenkungen. Am lautesten gelacht, wird, wenn er den Schweizer Schlager von Gottfried Stutz anstimmt, der kein Kiosk sein will und keine Bank. Kurt ist aber beides: ein Kiosk an Komik und eine sichere Bank für Lacher. Gelungenste Szene: Wenn das Fest bei Orlowsky vom Skurrilen ins Sentimentale kippt und die allgemeine Verbrüder- und Verschwesterung in den Rausch. Danach ist Pause. Und das Publikum ist ebenfalls berauscht - ohne Alkohol. Verblüffend: Wie jeder Figur eine Epoche zugeordnet ist. Das Ehepaar Eisenstein stammt offensichtlich aus der Entstehungszeit um 1874. Die Geschwister Pfister, privat ein Ehepaar, parodieren sich selbst mit einer Rosalinde en travestie. Ins 19. Jahrhundert gehört auch Stefanie Dietrichs Orlowsky: lebensprall und mit hoher Stimme, während der Alfred von Alen Hodzovic einer Disco der 70er Jahren entsprungen scheint und Gabriela Ryffel als fidele Adele im Stile eines 60er Jahre-Girlies glänzt. Anachronismen als Inszenierungskonzept. Herausragend: Dieser Anachronismus entwickelt sich aus der Musik, wird aus ihr herausgehört und wieder zu Musik gemacht. Johann Strauß reloaded: die Fledermaus klingt hier ganz neu, mal südamerikanisch exotisch, mal rockig, mal bodenständig - aber immer im Duktus des Walzerkönigs, ohne Melodie und Text der Nummern zu ändern. Was Kai Tietje da für seine fünf Musiker neu arrangiert hat, ist schlichtweg hinreißend. Aha-Effekt: Dass sich die oft in Opernhäusern viel zu groß besetzte Fledermaus so glatt und so schlüssig in ein schlankes Kammerspiel verwandeln lässt. Dazu braucht es nicht viel: eine leere Bühne, ein paar Requisiten, stilechte Kostüme - und 9 passend besetzte Schauspieler, von denen alle gut singen können, aber nur 3 wirklich auch Sänger sind. Berührend: Die ganze erst so überzeichnet und so skurrile Verwechslungs- und Rachegeschichte im Gefängnis geht schließlich doch noch ans emotional Eingemachte. Mutig, neu, zeitgemäß: Mutig: das ganze Unterfangen, den Operettenklassiker zeitgemäß herunter zu brechen. Neu: dass dies vor allem von der Musik ausgeht, zeitgemäßer Sound zu einer zeitgemäß schrägen Satire aus dem bürgerlichen Heldenleben. Ein gelungenes Experiment, die Fledermaus im Taschenformat. Ihrem Titel jedenfalls wird die Aufführung voll gerecht: Die Rache der Fledermaus.