Staatstheater Nürnberg


Premiere: 19.01.2019 | Operette

Ball im Savoy

Paul Abraham/Alfred Grünwald/Fritz Löhner-Beda

Stückinfo

Verliebt wie am ersten Tag kommt das Ehepaar Faublas von seiner einjährigen Hochzeitsreise zurück an die Côte d‘Azur. Doch kaum zu Hause wird der frischgebackene Ehemann Aristide von seiner Vergangenheit in Form eines Telegramms seiner Ex-Geliebten Tangolita eingeholt. Er hatte ihr bei der Trennung leichtfertig ein Souper auf dem legendären Ball im Savoy versprochen, das sie nun einfordert – und zwar just an diesem Abend. Er ist zwar ein wenig aus der Übung, aber mit Hilfe seines Freundes, dem türkischen Attaché Mustapha Bey, gelingt es Aristide, seine Frau von den unschuldigen Absichten seines Ballbesuchs zu überzeugen. Glaubt er … Paul Abrahams „Ball im Savoy“ war der dritte große Erfolg in Folge, der den Komponisten zum unbestrittenen Star am Berliner Operettenhimmel machte. Nach „Viktoria und ihr Husar“ und „Die Blume von Hawaii“ versammelte er in „Ball im Savoy“ alles, was die Operette seiner Zeit ausmachte: Witz, Ironie, Erotik, Exotik, Nonsens und dazu eine Musik, die vom lasziven Walzer über jazzige Tänze bis zum dadaistischen Duett fast alles aufzubieten hatte. Nur wenige Wochen nach der Premiere im Dezember 1932 in Berlin wurde dem Komponisten der Zugang zu den Vorstellungen am Metropoltheater verwehrt: Die Nationalsozialisten waren an die Macht gekommen und hatten für den Juden Abraham keinen Platz mehr im Theater. Der kulturelle Kahlschlag, der durch die Nationalsozialisten in Gang gesetzt wurde, ist hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist, dass durch ihre Eingriffe nicht nur die Entwicklung des überaus lebendigen Genres Operette jäh und unwiederbringlich abgebrochen wurde, sondern dass ihre Ästhetik auch jahrzehntelang den Blick auf das Genre verstellt hat. Denn auch nach dem 2. Weltkrieg wurden Jazz-Anklänge aus den Werken verbannt, deckten breite Streicherteppiche jede schräge Note zu, verhinderten große Opernstimmen die Zwischentöne der witzigen Texte. Alles Politische, Freche, Erotische war nach wie vor in den Operetten nicht zu finden, die fortan als altmodisch und verstaubt galten. Dass dem nicht so ist, haben in den letzten Jahren nicht nur viele Wissenschaftler herausgefunden, sondern auch schon zahlreiche Bühnen unter Beweis gestellt. Das Staatstheater Nürnberg folgt dieser historisch informierten Aufführungspraxis und steht mit dem Team um Stefan Huber und mit der Besetzung der Geschwister Pfister in den Hauptrollen für eine lebendige und aktuelle Operette ein.


Weitere Infos und Karten finden Sie auf: www.staatstheater-nuernberg.de

Kreativteam

Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Volker Hiemeyer
Choreographie: Danny Costello
Bühnenbild: Timo Dentler/Okarina Peter
Kostüme: Heike Seidler
Lichtdesign: Kai Luczak
Sounddesign: Boris Brinkmann
Dramaturgie: Wiebke Hetmanek
Arrangements: Kai Tietje

Cast

Frederike Haas, Tobias Bonn, Christoph Marti, Andreja Schneider, Andromahi Raptis, Cem Lukas Yeginer, Hans Kittelmann, Stephanie Gröschel-Unterbäumer, Dominique Leupeudry, Joanna Limanska-Pajak, Alexander Alves de Paula, Tobias Link, Raquel Luis, Eun Joo Ham, Ntombizodumo Mahlaba, Richard Patricinio, Simon Stockinger, Christian Louis-James, Tobias Stemmer, Julian Bender, Robert Johansson, Andreas Röder, Claudio Gottschalk-Schmitt, Chor des Staatstheater Nürnberg

Szenenfotos

Video






Pressestimmen

Klaus Kalchschmid, Süddeutsche Zeitung

„Im Opernhaus gewesen. Viel gelacht“, könnte man Franz Kafkas immer wieder zitierten Tagebuch-Eintrag „Im Kino gewesen. Geweint“ paraphrasieren. Denn Paul Abrahams Jazz-Operette „Ball im Savoy“ war am Staatstheater Nürnberg das pure Vergnügen! In Timing wie Tempodes dialogischen Brillantfeuerwerks, musikalisch mit all den zündenden Melodien wie „Es ist so schön, am Abend bummeln zu gehen“, sängerisch und tänzerisch mit acht furiosen Männern, die unter anderemals feurige Spanier wie als halbnackte Haremsdamen Furore machten. Regisseur Stefan Huber hatte vor ein paar Jahren an der Komischen Oper in Berlin Nico Dostals „Cliva“ zu einem mit Recht bejubelten Revival verholfen. Jetzt konnte er auf der variablen Bühne von Timo Dentler und Okarina Peter mit den Prota- gonisten von damals – Tobias Bonn, Christoph Marti und Andreja Schneider – wieder einen rauschenden Erfolg feiern: Bonn ist diesmal der frisch von der Hochzeitsreise zurückgekehrte, keineswegs gezähmte Marquis Aristide de Faublas; Marti (alias Ursli Pfister) die Jazzkomponistin Daisy Parker, die auf dem Ball im Savoy ihr männ- liches Inkognito José Pasadoble lüftet; und Schneider (alias Frl. Schneider, ebenfalls von den Musikkabarettisten Geschwister Pfister) verkörpert Mustapha Bei, Attaché bei der türkischen Gesandtschaft, mit seinen sechs Ex-Frauen.(...)"

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Jens Voskamp, Neue Nürnberger Nachrichten

"(...)Regisseur Stefan Huber, die BühnenbildnerTimo Dentler und Okarina Peter sowie Heike Seidler (Kostüme) bemühten sich, mit Liebe zum Detail viel zeithistorischen Art Deco-Chic, aufreizende Roben und den ersten Dauerwellen-Hype aufleben zu lassen. (...) Geradezu sensationelle Präsenz und ein sekundengenaues Gesten-Timing offenbart Christoph Marti als mondänes Hollywood-Girl Daisy Parker: Da sitzt Wumm in der Kehle und macht sich eben jahrezehntelange Pumps-Erfahrung bemerkbar. Zusammen mit Andreja Schneider, die wie Marti und Bonn zum Pfister-Trio gehört, als molligem Ehesammler Mustapha gelingen hinreißende Duette mit viel Wortwitz, bei dem sogar auf den alten Heinz Erhardt zurückgegriffen wird. Bis in die Nebenrollen herrscht aufgekratzter Pep. Andromahi Raptis gibt augenzwinkernd eine streng-verruchte Andalusierin; Hans Kittelmann erweitert sein Rollenrepertoire genau auf dem schmalen Grat zwischen zu viel und zu wenig Schmackes Richtung Butler und Barkeeper; und Cem Lukas Yeginer erbt zwar die undankbare Aufgabe als Trottel vom Dienst, aber sowohl als wuchtige Modeschöpferin wie als Liebhaber-Alibi gelingen ihm szenische Preziosen.(...)"




Thomas Heinold, Nürnberger Zeitung

"Die Operettenprominenz aus der Hauptstadt reiste an: Alle drei Vertreter der Schweizer Kabarett-Kunstfamilie „Geschwister Pfister“ wollten unter der Regie des in Nürnberg bereits vorher tätigen Entertainment-Spezialisten Stefan Huber im Opernhaus Paul Abrahams „Ball imSavoy“ neues Leben einblasen. Das Experiment gelang, bei der Premiere am Samstagabend wehte ein erfrischender Wind.(...)der sich hinterm Männer-Pseudonym Pasodoble tarnenden Komponistin Daisy Parker, die aussieht wie eine etwas zu groß und zu kantig geratene Marlene Dietrich und dabei herrlich komisch ist. Prompt beißt Mustapha an und will sie unbedingt als seine siebte Frau in den Hafen der Ehe navigieren. Dafür karrt er seine sechs aus allen Kontinenten inklusive Franken – man hört es an der derben Aussprache und der Angst, zu kurz zu kommen –stammenden Ex-Frauen an die Bar im Savoy, auf dass sie gute Worte für seine Mannesqualitäten einlegen. Das ist nicht nur witzig, das gibt dem Blick auf die Geschlechter, die Liebe, die Unterschiede wie Gemeinsamkeiten von abendländischer und orientalischer Kultur, Christentum und Islam eine lebenskluge Milde. Die wirkt in unserer hysterisch in Gegnerschaften und Antagonismen denkenden Gegenwart inzwischen leider ziemlich fremd. (...)Stefan Hubers Regie will bei all dem gar nicht sonderlich auffallen, sie begnügt sich damit, für den Spielwitz und reibungslosen Schwung der Szenen zu sorgen – was ja eine hohe Kunst ist. Ein Ausrufezeichen setzt das doppelte weibliche Selbstbewusstsein von Madeleine und Daisy. Vom damals über der Uraufführung aufziehenden gesellschaftlichen Unheil findet sich keine Spur, aber vielleicht würde man diese Operette damit auch überfordern. Der „Ball im Savoy“ feiert die Lebenslust, die Leichtigkeit, die international ist und Zwänge wie Grenzen überschreitet. Das funktioniert sehr überzeugendund mitreißend.(...)"




Dieter Stoll, Die deutsch Bühne

"(...)Regisseur Stefan Huber ist Facharbeiter fürs Leichte. Mit den vorübergehend zur Trend-Größe heranwachsenden Experimenten, in denen die Beschwörung von Zeitgeist aus der Analyse von Amüsement versucht wurde, hat er nichts am Hut. In seinen Inszenierungen wird nirgends an Fassaden gekratzt, aber immer mit ausgefahrenem Temperament gespielt und in der Besetzung gerne die Ordnung der Geschlechter durcheinander gekegelt. Dafür sind seit Jahren die drei „Geschwister Pfister“ treue Partner, also das Kunstfiguren-Triumvirat von Ursli und Toni mit Fräulein Schneider, die über ihre herrlichen Schlager-Revuen hinaus die Operette als Trivialitäten-Treibhäuschen entdeckten. Beim „Ball im Savoy“ wird daraus wieder eine neue Gender-Mischung. Christoph Marti alias „Ursli“ tritt als hüftschwingende Jazzkomponistin Daisy auf, Andreja Schneider alias „Fräulein“ ist der dick ausgepolsterte Türken-Attaché mit dem Hang zur geordneten Vielweiberei und den unendlichen Ü-Tüpfelchen im Dialog, also mit „vielen Nüllen“ am Scheck. Als Paar sind sie unwiderstehlich, auch weil sie die Travestie lässig aus den Ärmeln schütteln. Tobias Bonn alias „Toni“ im Part des seriösen Tenors schmettert die Töne des Marquis wie eine Heesters-Hommage in Dauerschleife.(...)




www.nacht-gedanken.de - Blog - Stefan

"Regisseur Stefan Huber bedient sich hier nicht dem Opern-gesang, sondern besetzt die Rollen vorrangig mit singenden Schau-spielerinnen, männliche wie weibliche. Die Geschlechter spielen den ganzen Abend keine oder eine ganz große Rolle. Rollenbilder werden gezeigt, aber besetzt sind sie oft entgegengesetzt. Beim „hohen Operettenpaar“ wird hier traditionell gespielt. Tobias Bonn als Ehemann und Friederike Haas als seine Gattin. Beide überzeugen gerade in ihren Zweifeln. Beim Buffopaar wird dann gewechselt. Werden komische Figuren komischer, wenn man gerade diese mit dem Gegengeschlecht besetzt? Auf jeden Fall waren Andreja Schneiders Mustafa Bei und Christoph Martis Daisy Parker fabelhaft, wenn sie ihre Pointen setzen durften. So spürte jeder, wie wichtig gut sprechende Darstellerinnen für die Operette sind. Wie oft habe ich mich schon gegruselt, wenn zwar schöne Töne zu hören waren, aber bei den Dialogen mir das Gespür für Betonungen oder sogar das Textver-ständnis fehlte. An diesem Abend war es größtenteils das Gegenteil. Wunderbar.(...) Aber auch in dieser Schachtelung schafft es Stefan Huber den Charakteren eine Persönlichkeit zu geben, die einen berührt. Man lacht mit ihnen, ist berührt, aber man lacht sie nicht aus. Gerade die Rolle des Mustafa Bei berührt einen bei aller Komik. Denn die Komik wird aus bestehenden Vorurteilen geholt. Es ist jemand, der zwischen Kulturen oder Zeiten wandelt, eine nicht ver-lassen kann und in der anderen nicht vollständig ankommt. Sind nicht viele von uns nicht in ähnlicher Lage? Können und wollen wir mit den Veränderungen um uns herum mithalten oder an unseren Erfahrungen und unserer (auch geschönten) Erinnerung festhalten? Genau dieser Zwiespalt kam unheimlich humorvoll rüber. Die Reise nach Nürnberg hat sich gelohnt und verlangt nach Wiederholung."




Peter Jungblut, BR-Klassik

"(...)Regisseur Stefan Huber, Choreograph Danny Costello und Dirigent Volke Hiemeyer wuchteten einen fast dreistündigen, herrlich unkorrekten, temporeichen und prickelnden Schabernack voller Wortwitz auf die Bühne, eine wirklich "tierisch" lustige Sause, in der natürlich auch der Känguru-Hop seinen Platz hatte.(...)Schauspielerisch und tänzerisch ist das in jeder Hinsicht überzeugend, stimmlich wird trotz Mikrofonen vor allem bei den Geschwistern Pfister deutlich, dass hier keine ausgebildeten Operetten-Sänger am Werk sind. Das schmälerte den Erfolg jedoch in keiner Weise, im Gegenteil. Wie oft radebrechen sich deutsche und nichtdeutsche Sänger durch Sprechtexte, die dadurch jeden Witz verlieren! Hier funktionieren die Gags des Librettos der beiden damaligen Superstars Fritz Löhner-Beda und Alfred Grünwald, hier stimmen Timing, Ironie, Blickkontakte und Anspielungen: "Eine Null mehr auf dem Scheck, und die Frau ist weg!".




Günter Kusch, Der neue Tag

"Wieso darf er und sie nicht? Kaum verheiratet, geht er fremd. Der mondäne Ball im Savoy stellt die junge Ehe der Faublas auf die Probe und Rollenbilder auf den Kopf. In Nürnberg erhält die verrückte und verjazzteOperette viel Beifall. Hat sie jetzt? Oder hat sie nicht? Das möchte man zu gerne wissen. Schließlich wäre ein Ehebruch ein echter Tabubruch, oder? Nicht nur 1932, als die Operette „Ball in Savoy“ in Berlin uraufgeführt wurde. Auch im Nürnberger Staatstheater, wo die bunte Boulevard-Komödie erstmals zu sehen ist, sorgt das Thema für Gefühlswallungen – allerdings eher wegen der hervorragenden Mischung von Klang-Cocktail und Schauspiel-Kunst.(...) Hat sie nun oder hat sie nicht? Ja,Stefan Hubers „Ball im Savoy“ hat das Zeug zum Publikumsrenner. Seine Inszenierung ist temporeich und ohne Längen. Die herrlichen Kostüme der 30er Jahre von Heike Seidler sowie das wandelbare Bühnenbild von Timo Dentler und Okarina Peter erleichtern die kurzweilige Zeitreise ins Wortwitz-Paradies. Vier fahrbare weiße Säulen mit Lampen im Bauhaus-Stil eröffnen stets neue Einblicke. Dass der Weg von Paul Abrahams Operette zum Musical nicht weit war, zeigt die Bandbreite der Melodien, mit denen die Staatsphilharmonie an diesem Abend punktgenau verwöhnt. Der ungarische Komponist beherrschte schwungvolle Walzer- und Tango-Rhythmen ebenso wie Klezmer, Ragtime und Jazz.(...)Paul Abraham musste nach der Uraufführung seines „Balls“ vor den Nazis in die USA fliehen. „Die werden doch keinen Krieg gegen die Operette führen“, soll er gefragt haben. Doch genau das geschah. Die Brisanz dieser Zeit des „tragischen Königs der Operette“, wie Abrahams Biograf Klaus Waller es nannte, kommt in Nürnberg nicht vor. Bei der Aufführung 2017 in Koblenz ließ Ansgar Weigner zwei Männer auftreten, die sich – im Schwarz der SS – unter die Nachtschwärmer mischen und in der Villa des Marquis im Takt der Musik zu marschieren beginnen. Abrahams schmissige Klänge mutieren zum bedrohlichenKampflied. Nach der Premiere in Nürnberg wird diskutiert, ob diese Ereignisse einfach unter den Tisch fallen dürfen. Indem sich Regisseur Huber dagegen entscheidet, nimmt er das Stück ernst und beim Wort. Wie Paul Abraham und seine Librettisten vor 80 Jahren blendet er die bedrohlichen Schatten des Jahres 1933 aus und setzt auf die verblüffende Leichtigkeit und den befreienden Unterhaltungswert der Geschlechterpersiflage. Hat sie nun gut unterhalten oder nicht? Diese Frage stellt sich angesichts des langanhaltenden Beifalls jedenfalls nicht."




www.nacht-gedanken.de - Blog - Stefan

"(...)Regisseur Stefan Huber bedient sich hier nicht dem Operngesang, sondern besetzt die Rollen vorrangig mit singenden Schauspielerinnen, männliche wie weibliche. Die Geschlechter spielen den ganzen Abend keine oder eine ganz große Rolle. Rollenbilder werden gezeigt, aber besetzt sind sie oft entgegengesetzt. Beim „hohen Operettenpaar“ wird hier traditionell gespielt. Tobias Bonn als Ehemann und Friederike Haas als seine Gattin. Beide überzeugen gerade in ihren Zweifeln. Beim Buffopaar wird dann gewechselt. Werden komische Figuren komischer, wenn man gerade diese mit dem Gegengeschlecht besetzt? Auf jeden Fall waren Andreja Schneiders Mustafa Bei und Christoph Martis Daisy Parker fabelhaft, wenn sie ihre Pointen setzen durften. So spürte jeder, wie wichtig gut sprechende Darstellerinnen für die Operette sind. Wie oft habe ich mich schon gegruselt, wenn zwar schöne Töne zu hören waren, aber bei den Dialogen mir das Gespür für Betonungen oder sogar das Textver-ständnis fehlte. An diesem Abend war es größtenteils das Gegenteil. Wunderbar. (...)Aber auch in dieser Schachtelung schafft es Stefan Huber den Charakteren eine Persönlichkeit zu geben, die einen berührt. Man lacht mit ihnen, ist berührt, aber man lacht sie nicht aus. Gerade die Rolle des Mustafa Bei berührt einen bei aller Komik. Denn die Komik wird aus bestehenden Vorurteilen geholt. Es ist jemand, der zwischen Kulturen oder Zeiten wandelt, eine nicht verlassen kann und in der anderen nicht vollständig ankommt. Sind nicht viele von uns nicht in ähnlicher Lage? Können und wollen wir mit den Veränderungen um uns herum mithalten oder an unseren Erfah-rungen und unserer (auch geschönten) Erinnerung festhalten? Genau dieser Zwiespalt kam unheimlich humorvoll rüber. Die Reise nach Nürnberg hat sich gelohnt und verlangt nach Wiederholung."




Stefan Frey, Deutschlandfunk

"(...) Und dieser Spagat zwischen echtem, sehr heutigem Gefühlschaos und hemmungslosem, ebenfalls sehr heutigem Slapstick gelingt Stefan Hubers Inszenierung scheinbar mühelos. Nicht nur beim Hauptpaar werden klassische Rollenbilder auf den Kopf gestellt, der eigentliche Clou ist die Überkreuz-Besetzung des komischen Paars mit zwei der Geschwister Pfister: Christoph Marti als Tanzsoubrette und Andreja, alias Fräulein, Schneider als Buffo.(...)Die ganze Aufführung hat eine so nonchalante Leichtigkeit und Eleganz, dass man selbst Barrie Koskys grandiose Inszenierung vergisst.(...) Doch dann öffnet sich die Bühne von Timo Dentler und Okarina Peter zu einem pompösen Ballsaal mit geschickt verschiebbaren Säulen, die sowohl als Bar als auch als Séparée dienen. Hier kann sich der spielfreudige und von Heike Seidler in mondäne Roben gekleidete Chor austoben. Und als am Ende auch noch das Orchester sichtbar wird, entfaltet sich der ganze Zauber von Paul Abrahams betörendem Klang-Cocktail, dieser wilden Mischung von Tangoseufzern, Walzerträumen und grotesken Jazznummern. Ein packender Tanz auf dem Vulkan."




Renate Freyeisen, Orpheus

"(...) In Nürnberg ließ Regisseur Stefan Huber den Streit um erotisch-sexuelle Gleichberechtigung in der Versöhnung der Eheleute enden. Ob dies ursprünglich so gewollt war? Immerhin schuf die Inszenierung köstlich irritierende Momente dadurch, dass Rollenklischees unscharf wurden.(...)"




Horst Joachi Kerwien, Uferlos 92,4 FM

"Intendant Jens-Daniel Herzog und Regisseur Stefan Huber vom Staatstheater Nürnberg haben einen Coup gelandet.(..)Was die Solisten stimmlich, tänzerisch und mit viel Spiellaune bieten ist köstlich und leicht serviert. Dahinter steckt viel Arbeit und Können. Wenn der Chor dazu kommt und das Tanzensemble rein und wieder rausrauscht, ist die große Bühne prall gefüllt, zumal im 2. Akt das große Orchester hinten auf der Bühne trohnt, als wär´s in Las Vegas.(...) Bis es zum happy End kommt, passieren so etliche Verwirrspiele, wobei der dicke türkische Attache vor allem glänzt, mit seinen 6 geschiedenen Ehefrauen, eine davon mit fränkischem Migrationshintergrund zum Vergnügen des Nürnberger Publikums. Jan Böhmermann hätte abgeraten von dieser Form der Darstellung, aber das Ganze spielt ja in der Zeit vor Erdogan.(...) Was Operette heute bieten kann, ist reines Vergnügen im Mix mit Nachzudenkendem. Das Nürnberger Staatstheater beweist das mit dem Ball im Savoy.(...)"