Bad Hersfelder Festspiele


Premiere: 12.07.2019 | Musical

Funny Girl

Jule Styne/Bob Merill/Isobel Lennart

Stückinfo

Hinreißende Songs und eine außergewöhnliche Liebesgeschichte – das ist das Musical FUNNY GIRL! Die Geschichte zweier Spieler: Fanny, die sich im Leben kaum behaupten kann, von Zweifeln geplagt, die aber auf der Bühne über sich hinauswächst und die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert. Und Nick, gutaussehend, selbstbewusst, der glaubt, die Anerkennung seiner Mitmenschen nur durch seinen im Glücksspiel erworbenen Reichtum zu erhalten, der es aber nicht erträgt, sich von seiner erfolgreicheren Gattin Fanny ernähren zu lassen, sobald das Glück am Spieltisch ihn verlässt. Fanny Brice schaut auf ihr Leben zurück: alles begann mit dem Traum, ein Star zu werden. Nicht einfach, wenn man nicht sehr hübsch ist und die Eltern außerdem dagegen sind. Aber sie schafft es, in die berühmte Ziegfeld-Truppe aufgenommen zu werden, macht Karriere und trifft ihre große Liebe, den Glücksspieler Nick Arnstein. Sie heiratet ihn, bricht ihren Vertrag mit Ziegfeld und folgt ihrem Mann - merkt aber bald, dass ihr das Showgeschäft fehlt. Reumütig kehrt sie zu Ziegfeld zurück. Ihr Mann verwickelt sich weiter in fragwürdige Geschäfte. Beide können das Spiel nicht lassen... Das Musical FUNNY GIRL hat einen realen Hintergrund und bezieht sich auf das Leben von Fanny Brice, eine US-amerikanische Komikerin, Entertainerin, Sängerin, Theater- und Filmschauspielerin ungarisch-jüdischer Abstammung. FUNNY GIRL wurde 1964 in Boston uraufgeführt und 1968 mit Barbra Streisand und Omar Sharif verfilmt.


Weitere Infos und Karten finden Sie auf: www.bad-hersfelder-festspiele.de

Kreativteam

Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Christoph Wohlleben
Choreographie: Danny Costello
Bühnenbild: Harald Thor
Kostüme: Susanne Hubrich
Lichtdesign: Ulrich Schneider
Sounddesign: Joerg Grünsfelder

Cast

Katharine Mehrling, Alen Hodzovic, Heinrich Schafmeister, Marc Seitz, Marianne Larsen, Gavin Turnbull, Rob Pitcher, Pamela Zottele, Konstantin Zander, Jürgen Strohschein, Romeo Meyer, Barbara Köhler, Annette Lubosch, Jessica Fendler, Anke Merz, Gloria Wind, Yael de Vries, Nicky Milford, Andreas Röder, James Cook, Richard Patrocinio, Mike Sandomeno, Christian Louis James, Giuliano Mercoli,

Szenenfotos






Pressestimmen

Christine Zacharias, Hersfelder Zeitung

"Das Musical „Funny Girl“, das die Lebensgeschichte der Fanny Brice erzählt, feierte jetzt eine umjubelte Premiere bei den 69. Bad Hersfelder Festspielen in der Stiftsruine. Das lag vor allem an Katharine Mehrling, die Fanny Brice, das „funny girl“ (lustige Mädchen) verkörpert. Als sie zum Schlussapplaus die große Showtreppe betritt, langsam Stufe für Stufe herabschreitet, springt das Publikum auf, klatscht wie besessen und jubelt ihr zu, nachdem es zuvor knapp drei Stunden mit ihr gelacht, geweint, gehofft und gefeiert hatte.Mehrling zeigt mit großem Einfühlungsvermögen und unglaublich ausdrucksstarker und wandlungsreicher Stimme die Entwicklung vom überschäumenden, trotz aller Widrigkeiten von seinem Talent überzeugten jungen Mädchen über den Aufstieg bei den Ziegfeld-Follies am Broadway bis hin zur erwachsenen, Lebenskrisen tapfer meisternden Frau. Fanny ist selbstbewusst, sie sagt frei ihre Meinung, sie macht ihr eigenes Ding, wenn sie davon überzeugt ist, egal ob sie mit ihrer komischen Nummer das große Finale „American Bride“ einer Ziegfeld-Revue sprengt oder kurzerhand die Showtruppe verlässt und hinter Nick her reist, weil sie das Gefühl hat, genau das sei richtig für sie. Sie ist es, die Nick einen Heiratsantrag macht, sie ist es, die den Unterhalt der Familie sichert, die den Alltag organisiert, während Nick unterwegs ist in den Spielcasinos der Welt und mit immer neuen, gewagten Projekten Geld verliert. Doch genau diese Energie, diese Stärke ist es auch, die letztlich zum Scheitern der Beziehung führt. Alen Hodzovic zeigt Nick als einen Mann, der auf seinen Charme und seine guten Manieren baut, der jedoch in traditionellen Rollenbildern gefangen ist – kein Wunder, das Stück spielt im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts – und der es nicht ertragen kann, vom Geld seiner Frau zu leben, selbst wenn – und auch das vermittelt Hodzovic sehr überzeugend – er sie von ganzem Herzen liebt. Fanny Brice ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, ohne Vater, aber mit der Rückendeckung einer sehr starken Mutter (kraftvoll: Marianne Larsen), treuer Freunde (warmherzig: Marc Seitz als Eddy Ryan) und der ganzen „Mischpoke“ aus ihrem Viertel, der Henry Street.Diese teilweise schrägen Typen werden, ebenso wie die Mitglieder der Ziegfeld Follies und des Keeney-Theaters, die Bühnenarbeiter und all die vielen anderen Personen, die die Bühne bevölkern, von einem hervorragenden Ensemble dargestellt. Temporeiche, perfekt dargebotene Tanznummern (Choreografie Danny Costello), auch auf der nassen Bühne, und große Spielfreude zeichnen jeden Einzelnen der Mitwirkenden aus. Balance zwischen Witz und Romantik Inszeniert hat diese Geschichte einer starken Frau der renommierte Musical-Regisseur Stefan Huber und dabei die richtige Balance zwischen Witz und Romantik, Historie und Heute, Tempo und Innigkeit gefunden. Für hohe musikalische Qualität sorgt auch in diesem Jahr Christoph Wohlleben, der konzentriert und unaufgeregt den Ton angibt für ein hochkarätiges Orchester, das die leisen Töne ebenso beherrscht, wie raumfüllenden Klang. Raumfüllend ist auch die große Showtreppe (Bühnenbild Harald B. Thor). Sie ist vielseitig einsetzbar durch bewegliche Elemente und durch immer wieder wechselnde Beleuchtung, wirkt durch die wuchtigen Seitenteile aber sehr dominant und verdeckt die Apsis der Stiftsruine weitgehend. Opulent sind zudem die vielen Kostüme von Susanne Hubrich mit Glitzer und Federn – ebenso wie die Showtreppe möglicherweise inspiriert von Florence Ziegfeld. Der investierte all sein Geld in seine Shows, je üppiger die Ausstattung, desto besser. Auf der Bühne wird er kongenial von Heinrich Schafmeister verkörpert."

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www.lokalo24.de

"(...) Das Licht geht an, die Show beginnt. Eine kleine, unscheinbare junge Frau tanzt mehr schlecht als recht im blau-­weißen Matrosenoutfit zwischen langbeinigen Schönheiten über die Bühne. Und doch sind alle Blicke nur auf sie gerichtet. Denn Fanny ­Brice hat das „gewisse Etwas“, dass sie zum großen Star macht. Die Geschichte vom Funny Girl ist weltbekannt, für die Hauptrolle im gleichnamigen Film gewann Weltstar Barbra Steisand 1969 einen Oscar. In diese riesigen Fußstapfen tritt nun Katharine Mehrling – und meistert ihre Aufgabe mit Bravour. Fast in jeder Szene ist die ­kleine Frau mit der großen Klappe zu sehen – und spielt sich in der rund dreistündigen Inszenierung von Stefan ­Huber in Windeseile in die Herzen der Festspiel-Zuschauer. Kein Wunder das am Ende knapp 1.300 Premierenzuschauer von den Stühlen springen, als die 1,55 Meter große Hauptdarstellerin die große weiße Treppe zum Schlussapplaus herunterschreitet. Donnernder Applaus und Gänsehaut – ein echter Festspiel-Moment. Katharine Mehrling spielt vom ersten Moment an Hersfeldpreis-verdächtig und lässt die Zuschauer stimmgewaltig und mit viel Charme und Witz an ihrer Geschichte teilhaben. Das Funny Girl ist eben wirklich lustig – denn sie trägt das Herz auf der Zunge. So bringt sie ihren Show­produzent Florenz Ziegfeld Jr. (gespielt vom hervorragenden Heinrich Schafmeister) mehr als einmal völlig aus der Fassung. (...) Fetzige Songs, mal auf deutsch, mal im original auf englisch wechseln sich mit ­rasanten Musical-Tanznummern ab. Eine große Treppe auf der Bühne der Stiftsruine bildet den Mittelpunkt und wird während des Stücks mal zum Bahnhof, mal zum Restaurant und auch mal zur Garderobe. Zwei kleine Schiebebühnen, die von links und rechts in die Mitte schweben, runden das ge­lungene Bühnenbild ab. Die stärksten Momente hat Funny Girl, wenn sich die ­große Treppe in eine Showbühne verwandelt, bunt beleuchtet wird und mehr als ein Dutzend Tänzer und Sänger synchron ihrer Arbeit nachgehen. Das Ensemble ist super, hier ist vorallem Marianne Larsen als liebevoll schrullige Rose Brice zu erwähnen, die gerne mal das ganze Ensemble und die komplette Nachbarschaft zu einer Spontanparty in den heimischen Garten einlädt. Für die Musik ist Christoph Wohlleben zuständig, der ­routiniert zeigt, wieso er einer der besten seines Fachs ist. Die Kostüme passen her­vorragend in die einzelnen Szenen und sind vorallem in den Shownummern wirklich sehenswert. So ist Funny Girl als dritte Premiere der diesjährigen Bad Hersfelder Festspiele eine echte Empfehlung für Musical-Fans und Zuschauer, die Lust auf eine durchweg unterhalt­same, nicht zu aufregende Geschichte haben, bei der man mehr als einmal herzhaft Lachen kann. Zudem ist Katharine Mehrling als Hauptdarstellerin allein schon den Eintrittskarte wert."




Bettina Fraschke, Hessische Niedersächsische Allgemeine

"(...) In der Stiftsruine begeisterte das glänzend aufspielende Orchester unter Leitung von Christoph Wohlleben und das große Darstellerensemble. Die ebenso präzise wie kurzweilige Inszenierung von Stefan Huber arbeitete die Stärken des Musicals von Jule Tyne und Bob Merrill wunderbar heraus: vielschichtige Charaktere und ein leise melancholischer Unterton bei allen Figuren. Die witzigen deutschen Texte von Heidi Zerning („Ich brülle von Natur aus!“) sind ebenfalls herauszuheben. Überragender, gefeierter Star des Abends ist Katharine Mehrling in der Titelrolle. Sie ist ein charismatisches Energiebündel mit grandioser Singstimme und Talent zum Slapstick. Fanny provoziert Lacher, wenn sie etwa ihren Fächer stets mit einem geschnarrten Brrrt-Laut aufklappen lässt, und kitzelt in der nächsten Sekunde Gänsehaut hervor, etwa in dem Song „People“ – einem seelenvollen Höhepunkt des Abends. Das freche Mädchen hat den unbedingten Anspruch, mit Showgrößen wie Florenz Ziegfeld Jr. (Heinrich Schafmeister) auf Augenhöhe zu kommunizieren. Fanny behauptet sich am Broadway mit ihrer direkten Art so flott, da haben die Tänzer in ihrer „Chicken Scramble“-Nummer noch nicht bis acht gezählt. Zugleich lässt Katherine Mehrling ihre Fanny stets von einer unstillbaren Sehnsucht durchdrungen sein, selbst in den fröhlichen Tanznummern, selbst beim Rendezvous mit dem geliebten Nick, als die Zukunft in wohlgeordneten Verhältnissen leuchtend am Horizont aufscheinen könnte. So wird sie aber nicht, und das liegt nicht nur daran, dass Nick ein Hallodri ist. Alen Hodzovic spielt ihn als (ver-) liebenswerten Kerl mit viel Grandezza als Typ, der Fanny aufrichtig liebt. Dass sie berühmt, selbstständig und finanziell unabhängig ist, nagt aber doch an ihm. Toll: sein Titel „Du bist Frau und ich bin Mann“. Auch Marc Seitz als Fannys bester Freund Eddie überzeugt mit viel Charme und großer Bühnenpräsenz, besonders in den Tanzszenen. Auf Harald B. Thors wunderbarer Bühne füllen bunt beleuchtbare weiße Stufen den Raum; zur Apsis der Stiftsruine hin aufsteigend, lassen sie sich variabel zu Wohnung, Garderobe, Hinterhof und Bühnenwelt zusammenschieben: Das Leben ist eine Showtreppe. In opulenten Tanzszenen von Danny Costello zeigt das Ensemble Klasse, Feuer und liebenswürdigen Charme, Etwa bei der Steppnummer „Rat-Tat-Tat-Tat“ im Look einer Operetten-Armee, bei der auch ein Steg vor dem Orchestergraben genutzt wird. Aber auch in ganz kurzen Sequenzen, zum Beispiel der Probe eines Huttanzes. Auch in den zahlreichen Kostümwechseln (Susanne Hubrich) wird der Glamour der 1910er- und 20er-Jahre gefeiert: Federkopfschmuck, Charlestonkleider, Paillettenroben, Fräcke: zum Schwelgen schön.(...)"




Verena Napiontek, Allgemeine Zeitung

"BRODWAYSTIMMUNG IN DER STIFTSRUINE. (...) Ein klassisches Musical, eine bitter-süße Story, eine ganze Bandbreite an Gefühlen, dazu eine riesige Showtreppe, eine opulente Ausstattung und eine Hauptdarstellerin, die schauspielerisch und stimmlich Akzente setzt – so erlebt man „Funny Girl“ bei den Bad Hersfelder Festspielen. (...) Die Hersfelder Hauptdarstellerin tritt demgemäß in große Fußstapfen. Das ist aber ganz und gar kein Problem für die Darstellerin. Die in Hanau geborene Katharine Mehrling muss man sich merken. Nur 1,55 Meter groß, ist sie eine ganz Große. Sie spielt mal lieb, mal resolut, mal urkomisch und mal verletztlich-traurig. Auch der Wandel vom Fratz im Matrosenkleid hin zum eleganten Star gelingt ihr blendend. (...) Mit viel Durchsetzungswillen gelingt es ihr dennoch, in die bekannte Theatergruppe von Florenz Ziegfeld aufgenommen zu werden. In dieser Rolle gefällt Heinrich Schafmeister mit unaufdringlichem, perfektem Spiel. Schafmeister ist das bekannteste Gesicht in dem Ensemble, ist er doch immer wieder in Kino- und Fernsehfilmen zu sehen. Sehr gut ist auch die sonstige Truppe besetzt. Beherzt und gewitzt kommt Marianne Larsen als Fannys Mutter daher. Auch Sylvia Wintergrün, Barbara Köhler und Annette Lubosch, die in mehreren Rollen zu sehen sind, machen besonders als Nachbarinnen aus der Pokerrunde einen super Job. Vor allem aber begeistert das „lustige Mädchen“ die Herzen im Sturm. Fanny ist so herrlich schnodderig und geradeheraus. Und sie sabotiert auch schon mal eine Revue, indem sie im Finale als Braut mit einem falschen Babybauch auftritt. Als Fanny ist Katharine Mehrling auch sängerisch eine starke Frau. Kraftvoll ihre Solostücke „I’m the greatest star“, „My Man“ und „Don‘t rain on my parade“. Natürlich spielt auch die Liebe eine gewichtige Rolle. Fanny verliebt sich in den Gentleman Nick, der als professioneller Spieler sein Geld verdient – und wieder verliert. Nick erträgt es allerdings nicht, sich von seiner Gattin ernähren zu lassen, wenn ihn mal wieder das Glück am Spieltisch verlässt. So wird die Ehe auf mehr als eine Probe gestellt. Alen Hodzovic spielt Nick Arnstein als Mann mit exzellenten Manieren, doch neben Fanny wirkt er immer etwas steif. Den Spieler und Betrüger, der im Gefängnis landet, nimmt man ihm nie so ganz ab. Ein echter Hingucker in dem Stück sind die Kleider von Susanne Hubrich mit viel Glitzer und noch mehr Federn. Und natürlich wäre alles nichts ohne die Musik. Das Orchester unter der Leitung von Christoph Wohlleben trifft punktgenau jenen Tonfall, der für Musicals der 1960er Jahre so typisch ist. Überhaupt verzichtet die Hersfelder Inszenierung von Stefan Huber konsequent darauf, den Stoff zu modernisieren – was auch gut ist. Die perfekt choreografierte Musical-Revue rund um eine riesige Showtreppe unterhält das Publikum über drei Stunden bestens. Mit langem Applaus bedanken sich die Zuschauer. Die Produktion, die eher selten auf deutschen Bühnen zu sehen ist, sollte man sich nicht entgehen lassen.(...)"




dpa

"(...) Dass die junge Frau dort falsch ist, bekommt sie zu spüren und zu hören: zu kurze Beine, zu wenig Brust. Wer in eine Show gehe, wolle "was fürs Auge, vor allem die Männer". Doch die Kleine mit der großen Klappe lässt sich den Traum vom Showgeschäft nicht ausreden: "Glaubst du, schöne Frauen bleiben ewig in Mode? Das kann jeden Moment vorbei sein", ruft sie frech. Die Frau ist Fanny Brice, eine US-amerikanische Komikerin, Entertainerin, Sängerin, Theater- und Filmschauspielerin. Brice gab es wirklich, sie war bis in die 1930er Jahren ein Broadway-Star. Ihr Leben ist die Vorlage für das Musical "Funny Girl". Das startete am Freitag bei den Bad Hersfelder Festspielen. Die Hersfelder Inszenierung begeisterte die knapp 1300 Premierenzuschauer vor allem durch eine grandiose Hauptdarstellerin. In der Broadwayversion von 1964 und der späteren Verfilmung von "Funny Girl" spielte Barbra Streisand die Hauptrolle. Sie gewann damit den Oscar der amerikanischen Filmakademie. In Bad Hersfeld verkörpert Katharine Mehrling die Komikerin. Die gebürtige Hessin tritt in große Fußstapfen - und füllt sie mühelos aus. Bereits nach wenigen Minuten ist klar: Diese Fanny ist wirklich "funny". Mal bringt sie ständig schnipsend einen Showproduzenten zur Weißglut, dann sabotiert sie eine Revue mit falschem Babybauch. Dabei hat die Hersfelder Inszenierung eigentlich ein Problem: Wie verwandelt man die historische Stiftsruine in ein Broadway-Theater? Regisseur Stefan Huber und Bühnenbildner Harald Thor finden darauf eine Antwort: mit einer riesigen Treppe. Die wird durch zahlreiche Umbau- und Beleuchtungsmöglichkeiten zu Bahnhof, Restaurant und Garderobe. Vor allem ist sie eine perfekte Kulisse für die zahlreichen Revue-Nummern mit aufwendigen Choreographien und Kostümen. Dabei macht "Funny Girl" in erster Linie gute Laune. Die Hersfelder Inszenierung widmet sich dem Aufstieg von Fanny, die sich trotz aller Widerstände durchsetzt und ein Star wird. Die tragische Komponente - die unglückliche Liebe zu ihrem Ehemann Nick Arnstein - kommt recht kurz. Der professionelle Spieler wird mit dem Erfolg seiner Frau nicht fertig und dadurch zum Betrüger. Der Theater- und Musicaldarsteller Alen Hodzovic spielt Nick überzeugend als charmanten Verführer mit gutem Kern.Das Ensemble um die Hauptdarsteller leistet tolle Arbeit. Bekannte Namen aus dem Film- und Fernsehgeschäft wie in anderen Hersfelder Inszenierungen braucht "Funny Girl" nicht. Eine Ausnahme ist der aus TV und Kino bekannte Heinrich Schafmeister ("Comedian Harmonists"). Er spielt Florenz Ziegfeld, einen Theater- und Filmproduzenten, der Fannys Talent entdeckt und fördert.(...) Das Premieren-Publikum (...) verabschiedete die Schauspieler mit tosendem Applaus."




Hildegard Wiecker, kulturfeder.de

"Was macht ein unscheinbares Mädchen in einer Welt, in der nur Schönheit zählt und die langbeinigen Modelfiguren in großer Zahl verfügbar sind? Es geht zur Bühne und lebt seinen Traum. Das Musical „Funny Girl“ erzählt die wahre Geschichte der Fanny Brice: 1891 als Fania Borach, Tochter ungarisch-jüdischer Einwanderer, in New York geboren, ihr Leben lang ein Star, trotz oder vielleicht auch wegen ihres Äußeren, das in Kombination mit ihrem großartigen Gesang und dem unbestreitbaren Talent zu urkomischer Parodie ein hinreißend stimmiges Ganzes ergab. Hinreißend stimmig und urkomisch, eindrucksvoll wie eine Ziegfeld-Follie, ist auch die Bad Hersfelder „Funny Girl“-Inszenierung von Stefan Huber. Er belässt die Geschichte in ihrem Umfeld, spielt gekonnt mit dem Zeitkolorit und zeigt gerade deshalb, wie zeitlos die Geschichte des hässlichen Entleins ist und immer bleiben wird. Das mit seiner übergroßen, in Teilen fahrbaren Showtreppe sehr gelungene Bühnenbild von Harald B. Thor eignet sich großartig zur Darstellung der Ziegfeld-Follies, kann aber durch Verschiebung des zweigeteilten unteren Mittelbereichs jederzeit auch Hinterhof, Bahnhof, Garderobe oder Villa sein. Die zeitgemäßen, detailreichen, teilweise ausgesprochen prächtigen Kostüme von Susanne Hubrich entführen in die glitzernde Welt der Ziegfeld-Follies ebenso wie in die Hinterhöfe der Henry Street. Unbedingt Erwähnung finden muss der Umstand, dass Bad Hersfeld in einer Zeit, in der immer mehr Produzenten auf Musik aus der Konserve setzen, den Zuschauern ein großes, sehr gutes Orchester gönnt, das unter Musikalischer Leitung von Christoph Wohlleben überaus diszipliniert und sauber intonierend voller Spielfreude mitreißend spritzig beweist, dass Live-Musik durch nichts zu ersetzen ist.Großes Lob gebührt vor allem dem bis in die kleinste Rolle ausgezeichneten Ensemble von „Funny Girl“. Wirklich jede Rolle ist ideal besetzt. So zum Beispiel das wunderbar komische kartenspielende Damentrio Infernale Mrs. Strakosh (Sylvia Wintergrün), Mrs. O‘Malley (Barbara Köhler) und Mrs. Meeker (Annette Lubosch), das gleich zu Beginn herrlich krähend die amerikanischen Schönheitsideale besingt, später jedoch, wie ausnahmslos alle Darsteller, wirklich schöne Stimmen beweist. Marc Seitz glänzt als Eddie Ryan mit großer Bandbreite, kraftvoller Stimme und berührender Mimik. Alen Hodzovic zeigt den unwiderstehlichen Spieler, Trick- und Anlagebetrüger Nick Arnstein mit klarem Tenor und nuanciertem Spiel. Heinrich Schafmeister gibt als väterlicher, humorvoller Florenz Ziegfeld Junior mit solidem Gesang einen überzeugenden Gegenpart zur mütterlich besorgten Mrs. Brice, die von Marianne Larsen wunderbar glaubhaft gespielt und mit warmer Stimme gesungen wird. Katharine Mehrling erweist sich als großartige Besetzung für Fanny Brice. Sie ist dank ihrer eher kleinen Statur unter den hochgewachsenen Ziegfeld-Girls jederzeit deutlich auszumachen, was ihrer Rollenvorgabe entspricht. Im Gegensatz zum Skript hat sie allerdings eine sehr gute Figur – sie kann aber wunderbar spielen, sie wäre hässlich – man nimmt ihr das ab, und das ist in ihrem Fall eine hohe Kunst. Ihr großartiges komödiantisches Talent passt ideal zur Rolle. Ihre Fanny Brice ist sympathisch, eine starke, selbstständige Frau mit großem Herzen. Und genau das war Fanny Brice: eine Frau mit innerer Größe, die ihren größten Hit „My Man“ aus ganzem Herzen Nick Arnstein widmete, den sie trotz seiner Mängel innig geliebt hat. Darf eine Frau ihren Weg selbst bestimmen und mit ihrem Verdienst die Familie über Wasser halten, ohne damit ihren Mann zu beschämen? Diese Frage stellte sich schon für Fanny Brice, und sie löste sie emanzipiert, sympathisch und selbstbewusst. Sind wir nun, rund 100 Jahre später, tatsächlich weiter im Denken? Das Musical „Funny Girl“ in der glamourösen, sehr lohnenden Inszenierung in Bad Hersfeld bringt die Zuschauer auf humorvolle Weise zum Nachdenken über diese Frage und ist in jedem Fall einen Besuch wert."




Manfred Merz, Gießener Allgemeine

"(...) Den Festspielen in Bad Hersfeld gelingt der Coup, aus einer angestaubten Nummern-Revue ihr neues Erfolgs-Musical zu machen. (...) Dirigent Christoph Wohlleben räumt ein: "Ich kannte das Stück vorher nicht." Was der langjährige Orchesterchef der Bad Hersfelder Festspiele am Freitag zur Premiere daraus macht, hat mächtig Chuzpe. Wohlleben, der sich auch zweimal ans Klavier setzt, ist die flotte Gangart zu verdanken. Sein treibender Big-Band-Sound mit drei Trompeten und drei Posaunen bietet den gefühlten zwölf Grad Celsius am verregneten Abend im überdachten Zuschauerraum der Stiftsruine die Stirn. Der hüftstarke Swing, der an Benny Goodman erinnert, temperiert die Luft. Ein Walzer und schrullige Schnulzen, Balladen genannt, bilden den Kontrapunkt. (...) Drive zeigt auch das Festspiel-Ensemble. Die zwölf Tänzerinnen und Tänzer, zehn Allzweckmimen und eine Handvoll Hauptdarsteller sind auf und vor der variablen großen Showtreppe von Harald B. Thor, die mit wenigen Handgriffen zum Bahnhof, Restaurant oder zur Garderobe mutiert, ständig in Bewegung. Regisseur Stefan Huber hält das Tempo hoch. Er lässt seine Darsteller umherwirbeln und steppen, dass es eine burleske Freude ist. (...) In den leisen Momenten dimmt der Bad-Hersfeld-erfahrene Huber die Handlung auf ein Minimum, legt einen Nostalgieteppich aus, den er sogleich nahtlos in drei dicken Revue-Nummern, frisch ausgeklopft, prächtig zur Schau stellt. (...) Am Ende gibt es Standing Ovations für alle Beteiligten vom beinahe ausverkauften Haus."