Nationaltheater Mannheim

Anything Goes

Cole Porter

Musical

Premiere: 28.04.2006
Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Philipp Armbruster
Choreographie: Markus Bühlmann
Bühnenbild: Harald Thor
Kostüme: Susanne Hubrich/Carole Luchetta
Lichtdesign: Bernie Häusermann

Darsteller

Isabel Dörfler, Gaines Hall, Susanne Eisenkolb, Andreas Lichtenberger, Sabine Schreittmiller, Eric Minsk, Urs Affolter, Horst Krebs, Eva Tamulénas/Hannelore Bode, Carlos H. Rivas, Marian Bresnikar, Karl Adolf Appel, Stefan Reil, Sean Stephens, Frank Wöhrmann, Till Nau, Franziska Ballenberger, Lucy Hickey, Kordula Kohlschmitt, Sabrina Stein, Erwin Aarts, Volker Bleck, Tobias Korinth, Bülent Musdu, Jochen Schaible, Christian Sollberger, Patrick Stauf, Maria Kempken, Stefanie Krüll, Marion Zollinger, Werner Matthiessen-Banek

Stückinfo
Kaum ein Song aus diesem erfolgreichsten damaliger Broadway-Erfolge, der uns nicht heute noch in den Ohren klänge. Die Handlung freilich könnte nicht einmal wiedergeben, wer sie vor fünf Minuten im Theater erlebt hat, so turbulent und aberwitzig verworren sind die Verwechslungen auf diesem Luxusliner, der 1934 den Atlantik überquert. Bevölkert ist er vom üblichen Personal: Blinde Passagiere, Millionenerben, Gangster und Jazztrompeter. Dazu zwei Chinesen, in einer Kiste versteckt. Und eine Laienpredigerin, die missionarisch inzwischen als Nightclub-Sängerin tätig ist. Noch wusste jeder damals, dass das Wort „Musical" bloß eine Abkürzung ist. „Musical Comedy" nämlich lautete es ursprünglich. Und noch hatte der Broadway seine Unschuld und Naivität nicht verloren, auch und gerade, wenn er sich ziemlich lasziv gab. Als einziger unter den Großen des Broadway hat Porter seine Songtexte selber geschrieben. Kleine Wunderwerke an Wortwitz sind sie - und immer auf eindeutige Weise zweideutig. Im Titelsong macht er sich lustig über die historischen Puritaner, denen schon der Anblick eines Damenbeins einen Schock versetzte. Im New York der 30er Jahre freilich hängt man einer neuen Religion an. Und deshalb sind tanzenderweise nun so viele Damenbeine zu sehen, dass man sich wundert, wie dieses Schiff sich über Wasser hält. Anything goes, überhaupt „alles ist erlaubt" auf diesem besonderen Dampfer, solang es dem neuen Glauben, dem Vergnügen, dient.
Presse

Ralf-Carl Langhals, Mannheimer Morgen

Stefan Huber inszeniert Cole Porters "Anything Goes" als fulminante Show am Mannheimer Nationaltheater.(...) Im Theatersessel kann man auf viel zitierte musikalische Reisen gehen, oder, wie bei der Nationaltheater-Premiere "Anything Goes", Menschen auf einer Atlantiküberquerung begleiten, ohne selbst in unsichere Gewässer zu geraten. Dass sie textlich oftmals seicht sind, stört uns wenig, denn das Musical des Amerikaners Cole Porter bietet mit dessen Evergreens beste Unterhaltung und dank Regisseur Stefan Huber auch solides Handwerk und hohe Professionalität in Broadway-Nähe: That's Entertainment!(...) Das Nationaltheater hat eine kluge Entscheidung getroffen, die Produktion bis in die kleinste der zahlreichen Rollen in die Hände von Musical-Profis zu legen. Gaines Hall (Billy Crocker) ist der Inbegriff des smarten Filous mit lyrischem Schmelz, Isabel Dörfler als Reno eine Hohepriesterin der Unterwelt, Sabine Schreittmillers Erma auf Sexappeal und ein geniales "Buddie, Beware" eingestimmt. Nicht ohne Ironie ist Susanne Eisenkolbs "Hope" als Kate Winslet im Schmachtstreifen Titanic angelegt. Folgerichtig zitieren Regie und Orchester im Rampenwind Schmusekolorit à la Kate und Leonardo zu Celine Dions "My Heart Will Go On", doch im Gegensatz zur Titanic kann dieser Dampfer nicht untergehen, denn Regisseur Stefan Huber navigiert mehr als solide über die Unterhaltungsgewässer. Bereits im Eröffnungsbild präsentiert er in der Hafenbar halbseidene Nachtschwärmer im Rahmen von Edward Hoppers "Nighthawks", bricht aufkeimenden Kitsch im Theatersternenhimmel mit herabfahrendem, bemanntem Mond. Nicht nur der Mond ist nach Matthias Claudius aufgegangen, auch das Konzept, amerikanische Unterhaltung als solche zu beleuchten: Ginger Rogers und Fred Astaire lassen grüßen, blinkende Showtreppe, perfekte Steppeinlagen, großes (Theater-)Kino. All dies ist nicht zuletzt auch der Verdienst von Bühnenbildner Harald Thor, der die große Theatermaschine kräftig schwitzen lässt.(...) Markus Buehlmann, schuf nicht nur Solo- und Ensemblenummern von großer Synchronie, choreografischem Feuer und höchster Professionalität, sondern integrierte auch den Mannheimer Chor mit einfachen Elementen in eine bewegungsreiche Show. Selbst die Applausordnung wird da zum ansteckenden Superlativ: Mit Händen in der Luft und wippenden Knien geht ein begeistertes Publikum nur ungern von Bord.

Rainer Köhl, Rhein-Neckar-Zeitung

Wenn der Vorhang aufgeht und das Orchester die ersten elegischen Takte von ´Night and Day´ anstimmt, glaubt man sich in einem Gemälde von Edward Hopper wiederzufinden: eine Kneipe mit grosser Fensterwand, ein ellenlanger Tresen mit vereinsamten Gestalten daran, die ihre Depression runterspülen. Doch schon mit den folgenden vitalen Melodien kommt Leben in die Szenerie. eine Schiffsreise von New York nach London kommt da wie gerufen. In Cole Porters Musical ´Anyhting Goes´sagt es schon der Titel: alles ist möglich auf diesem Traumschiff. Im Mannheimer Nationaltheater feierte das Musical in Stefan Hubers Regie eine umjubelte Premiere. Da treffen wir jede Menge schräger Typen, die ihre grosse Chance wittern, der grossen Depression in den USA der 30er Jahre zu entkommen: Neben schweren Jungs und leichten Mädchen gibt es aber auch Leute, die die wahre Liebe suchen. Die temporeiche Inszenierung bringt sehr viel Fahrt in die Ozenaüberquerung, im ersten Akt gibt die Regie dem Affen des Klamauks streckenweise sehr viel Zucker, für bestes Amüsement aber war gesorgt....

Malte Erhardt, www.mdi-magazin.de

Das Musical „Anything goes“ feierte am Freitag glanzvolle Premiere am Nationaltheater Mannheim. Mehr als 70 Jahre nach seiner Uraufführung zeigte Cole Porters Musicalklassiker in der Inszenierung von Stefan Huber, was gute Unterhaltung im Musiktheater heißt.(...)Mit seiner Inszenierung sorgt Regisseur Stefan Huber für einen kurzweiligen Abend. Er setzt zu Recht auf die turbulente Verwechselungsgeschichte an Bord des Luxusdampfers. Mit sicherem Gefühl für Timing, Situationskomik und witzigen Regieeinfällen gelingt es Huber, das Publikum zum Lachen zu bringen. Jeder Gag ist ein Volltreffer. Porters Evergreens wie „Anything goes“, „Friendship“ oder „You’re the top“ tun ein Übriges für die Gute-Laune-Garantie.(...)„Anything goes“ ist im Nationaltheater Mannheim ein Musicalklassiker voller Leben, Witz und bekannten Melodien, dessen Inszenierung das Premierenpublikum zum Jubeln brachte.

Daniel von Verschuer, www.musicalzentrale.de

Starke Inszenierung des Cole-Porter-Klassikers. Hervorragende Stepp- und Tanzeinlagen, großartige Hauptdarsteller und ein spielfreudiges Ensemble sorgen für Unterhaltung auf hohem Niveau.(...)Regisseur Stefan Huber setzt die Vorlage schwungvoll und temporeich um, während der knapp drei Stunden kommt niemals Langeweile auf. Die Pointen sitzen, Bühnenumbauten und Songeinsätze kommen zügig, Huber und sein Ensemble sorgen für beste Unterhaltung im Sinne einer "Musical Comedy".(...)Fazit: Mit dieser Produktion kommt ein Stück Broadway nach Deutschland. Bitte mehr davon!

Angela Reinhardt, Magazin ´musicals´

...Die Mannheimer Inszenierung betreibt samt speziellem Musicalensemble und jeder Menge Musicaldarstellern den Aufwand einer Grossproduktion. Regisseur Stefan Huber setzt auf turbulente Farce und Slapstick, was einem anfangs leicht übertrieben vorkommen kann, sich aber rasch als die einzige wahre Möglichkeit erweist, diese völlig überdrehte Musicalkomödie zum Strahlen zu bringen. Fehlt manchen Dialogen am Anfang noch das Tempo, so nimmt der Dampfer bald Fahrt auf und man schwebt immer wieder im siebten Comedy-Himmel, wenn etwa zum Liebesduett eine Mondsichel samt skurrilem Liebesengel am Himmel auftaucht. Huber kann Szenen ins absolute Chaos entgleiten lassen und immer noch einen draufsetzen, er kümmert sich originell um die zahlreichen Nebenfiguren, und im idealen Zusammenwirken mit Choreograf Markus Buehlmann sind die vielen komischen Musiknummern liebevoll ausinszeniert...