Theater Heilbronn

A Day On Abbey Road

Stefan Huber/Michael Frei

Revue
Uraufführung

Premiere: 15.12.2007
Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Michael Frei
Choreographie: Stefan Huber
Bühnenbild: Karel Spanhak
Kostüme: Heike Seidler
Lichtdesign: Carsten George
Sounddesign: Carsten Bänfer
VIDEO

Darsteller

Gunnar Blume, Sebastian Gerasch, Angelika Hart, Alexander von Hugo, Julia Klotz, Henning Sembritzki, Katharina Uhland

Stückinfo
Auch mehr als dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Ende ihrer Zusammenarbeit sind die Beatles die bekannteste Musikgruppe aller Zeiten. John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr nahmen ihre weltberühmten Langspielplatten sieben Jahre lang in den Londoner Abbey Road Studios auf. Im Sommer 1969 trafen sich die vier Liverpooler dort noch einmal, um ihre neuen Songs einzuspielen. Inzwischen waren aus den lustigen »Pilzköpfen« zerstrittene Weltstars geworden. Die Gemeinsamkeiten waren aufgebraucht, und so wurde dieses Album ihr letztes. Sie benannten es nach der Straße, in der ihre Studios standen: »Abbey Road«. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Spannungen der vier Exzentriker wurde »Abbey Road« ein wunderbares Abschiedsgeschenk an alle Beatles-Fans mit einigen der besten Songs, die das Quartett je geschrieben hat: »Come together«, »Something«, »Here comes the Sun«. Zusammen mit dem Musiker Michael Frei entwickelt Regisseur Stefan Huber Szenen um Menschen, die sich in der Abbey Road hätten begegnen können, oder heute noch dort zu finden sind. Auf den Spuren der vier Musiker wehen ihnen plötzlich die Melodien der »Abbey Road«-Songs entgegen. Deren Figuren und Situationen werden zu ihrer eigenen Geschichte. Ein Blick aus dem 21. Jahrhundert auf eine große Epoche der Popmusik. (Text Theater)
Szenenfotos
Presse

Uwe Grosser, Heilbronner Stimme

Heilbronn - Vier Männer, einer im weißen, einer im schwarzen, einer im grauen Anzug und einer mit Blue Jeans und Jeans-Hemd gehen über einen Zebrastreifen. Der im grauen Anzug ist barfuß. Wer die Geschichte der Popmusik in den letzten rund 40 Jahren nicht komplett verschlafen hat, weiß, dass das John, Ringo, Paul und George, also die Beatles sind. Es ist das Plattencover des letzten Albums, das Lennon, Starr, McCartney und Harrison 1969 gemeinsam aufgenommen haben: „Abbey Road“. Danach war Schluss. Die zerstrittenen Fab Four gingen auseinander. Sebastian, Gunnar, Alexander und Henning heißen die famosen Vier, die das Cover am Samstagabend im Großen Haus des Theaters Heilbronn fast perfekt nachgestellt haben bei der Uraufführung der Show „A Day on Abbey Road“. Doch das bleibt eine Momentaufnahme, eine bildliche Hommage an ein akustisches Juwel, dessen einzelne Songs Hintergrund und zugleich Zentrum eines außergewöhnlichen Theaterabends sind. Die vier Pilzköpfe treten ansonsten nicht mehr auf – nur ihre 17 Songs und die Straße, an der das Aufnahmestudio der Beatles lag. Diese Abteistraße ist der Schauplatz eines kurzweiligen, 80-minütigen Theaterabends, der es mühelos aufnehmen kann mit den ganzen Abba, Queen- oder sonstigen Musicals, die einstige Popgrößen hochleben lassen. Der für die Song-Arrangements zuständige Michael Frei und Regisseur Stefan Huber legen ihn behutsam frei, den Nerv dieses Albums, ohne allerdings – und dafür sei der Hut gezogen vor den beiden – in nostalgische Schwärmerei zu verfallen. Im Gegenteil: Die Zeitlosigkeit der Beatles-Kompositionen wird umso deutlicher, je weiter die Inszenierung vom Swinging London der Sixties entfernt ist. Schon das Bühnenbild von Karel Spanhak veranlasst das Publikum zu spontanem Applaus: Es sieht aus wie auf dem Plattencover, links und rechts der Straße sitzt das glänzend aufgelegte Orchester, dirigiert von Michael Frei. Dessen Arrangements des Originalmaterials sind schlichtweg großartig. So großartig wie die sängerischen Leistungen fast des gesamten siebenköpfigen Ensembles, wobei vor allem Julia Klotz mit einer unglaublich starken Stimme besticht. Natürlich geht es mit „Come Together“ los, und vom ersten Moment an stimmt die Atmosphäre auf der Bühne. Dieser dauernde Wechsel zwischen rotzfrecher Ironie, sanftem Augenzwinkern und tiefer Verbeugung vor dem Songmaterial macht den Charme der Inszenierung aus. Allerdings: Auf den krampfhaften Versuch, einen roten Faden in das Album zu flechten, hätten Frei und Huber getrost verzichten können, schließlich ist „Abbey Road“ kein Konzeptalbum wie die im gleichen Jahr entstandene Rockoper „Tommy“ von The Who. Letztendlich bleibt es daher auch bei einer Nummern-Revue, doch die hat Pfiff, musikalische Klasse und verlangt dem Ensemble auch schauspielerisch einiges ab. Immerhin hat jedes Mitglied mindestens fünf Rollen zu bewältigen, die umwerfend gute Angelika Hart gar neun. Der Spaß, den Hart, Klotz, Gunnar Blume, Sebastian Gerasch, Alexander von Hugo, Henning Sembritzki und Katharina Uhland dabei haben, schafft auch den Sprung über die Rampe – das Publikum ist begeistert. Regisseur Huber siedelt die Geschichten auf der Abbey Road im Heute an. Menschen treffen sich, lieben sich, streiten sich und gehen wieder auseinander. Ganz wenig Text hat Huber hinzugedichtet, ansonsten sind da nur die Songs wie musikalische Perlen aneinandergereiht. Und sie klingen, als wären sie von Anfang an für dieses Orchester geschrieben worden. Das ist beste, klamaukfreie Unterhaltung. Was will man mehr.

Werner R. Jänicke, Rhein-Nekcar-Zeitung, Heidelberg

Kann man eine Schallplatte auf die Bühne bringen? Daraus eine Art Drehbuch für einen originellen und erfolgreichen Theaterabend machen? Dem Regisseur Stefan Huber und dem musikalischen Leiter Michael Frei, beide aus der Schweiz, schien das so reizvoll, dass sie ihre Idee kurzer Hand umsetzten und im Großen Haus des Heilbronner Theaters zur am Samstag begeistert aufgenommenen Premiere brachten. Die beiden waren klug genug, die Langspielplatte eines Klassikers zu nutzen, die die Beatles als letztes Album ABBEY ROAD aufgenommen hatten, bevor sie völlig zerstritten endgültig auseinander gingen.... Beste Voraussetzungen für einen Erfolg waren also gegeben. Hinzu kam, die Musik neu zu arrangieren und dazu eine verständliche Deutung der Songs zu finden, die originell und zutreffend ist, und von vier Schauspielern und drei Schauspielerinnen wirkungsvoll umgesetzt werden kann. Huber belässt es nicht dabei, sondern fügt Geschichten als Momentaufnahmen hinzu, die vom Alltag erzählen... Huber und Frei sind schon länger ein erfolggewohntes Paar. Ihre Arbeit läuft gemeinsam ab wie ein fein abgestimmtes Schweizer Uhrwerk. Da bleibt nichts dem Zufall überlassen. Die gelungenen musikalischen Arrangements von Frei ergänzen sich auf brillante Weise mit den pfiffigen und voller Einfälle steckenden Ideen des Regisseurs Huber. Sie inspirieren das Orchester zu trefflichen Höhenflügen der Beatlesmusik und die Schauspieler zu engagierten und begeisterten Mitspielern. Da stimmt einfach alles, was Beatles-Fans sich wünschen und möglicherweise zu einem Beatles-Fieber am Berliner Platz führen könnte....

Tanja Weilemann, Neckar Express

....Die Inszenierung von Stefan Huber drückt das aus, was die Vorlage, das Beatles-Album, noch heute für Musikfans symbolisiert: Ein Grenzen überschreitendes Sammelsurium an Kontrasten und Fragmenten, das auf der Platte selbst aber zur Einheit wird. Schrilles gesellt sich zu Konservativem, Leises zu Lautem, Freude zu Schmerz, ein Ende zu einem Anfang. Ein puslierendes "Come Together" in der Abbey Road.

Angela Reinhardt, musicals - Das Musicalmagazin

...Anders als viele der dramaturgisch wirren "Best of" - Ragouts lebt dieser Beatles-Abend von Respekt und Kenntnisreichtum seiner Erfinder, Regisseur Stefan Huber und Arrangeur Michael Frei...Liebevoll und oft ziemlich skurril, manchmal auch mit parodistischem Einschlag, geht Stefan Huber auf die Stimmung der Nummern ein. Einige Figuren ziehen sich durchs gesamte Stück, etwa ein verliebtes Paar, ein Penner oder der mörderische Maxwell mit dem Silberhammer (seinen Song inszeniert Huber als brillante Horror-Reise durchs deutsche und englische Fernsehen)...Huber spielt sogar auf die Mädchen-Hysterie der Beatlemania an, aber im Grunde trifft seine Inszenierung mit den fröhlich hingetupften Bildern und Vignetten die losgelöste Hippie-selige Stimmung des "Art-Rock" der späten 60er -Jahre, in der die ehemaligen Pilzköpfe sich die Haare lang wachsen ließen und ihren Hang zum Individualismus entwickelten. Dass der 80-minütige Abend ohne eine stringente Handlung so geschlossen und homogen wirkt, dürfte nicht nur am respektvollen Umgang mit dem Material liegen, sondern auch am exzellenten Heilbronner Orchester unter der Leitung von Michael Frei...Das deutsche Stadttheater sorgt also doch noch für Musical-Überraschungen!

dpa

Queen gibt sich neben ihren Leibwächtern auch die Ehre Oktopusse auf der Abbey Road: Beatles-Abend in Heilbronner Theater in der Inszenierung von Stefan Huber mit großem Erfolg uraufgeführt HEILBRONN (dpa). "Hier kommt der alte Flachkopf langsam angeschlurft", sangen die Beatles 1969 in den Studios auf der Londoner Abbey Road bei den Aufnahmen für ihr letztes gemeinsames Album. Auf der Bühne des Theaters Heilbronn streift zu der Melodie ein abgerissener Bettler über einen Zebrastreifen und schnorrt Zigaretten bei Passanten. Regisseur Stefan Huber hat zu den Liedern des Albums viele bunte Straßenszenen inszeniert und zu einer Geschichte verwoben. Sein Musikabend "A Day on Abbey Road" wurde in Heilbronn uraufgeführt. Auf der Bühne stellt Huber das berühmte Foto des Platten-Covers nach. Ein leuchtender Zebrastreifen, ins Bild hineinragende Äste - Morgenstimmung in der Londoner Abbey Road. Nur die Beatles und die parkenden Autos fehlen. Das Orchester sitzt rechts und links des Bordsteins und begleitet den Bettler, der "Come Together" ins Mikrofon dröhnt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein junges Paar, das sich auf der Abbey Road zum ersten Mal begegnet. Während sie in der obligatorischen roten Telefonzelle "Oh! Darling" in den Hörer schmachtet, klopft von außen Ex-Freund Maxwell mit seinem Silberhammer im Takt gegen die Tür. Huber hat die verschiedenen Elemente und Personen aus dem Album geschickt zu einer rasanten Musikshow verflochten. Londoner Flair entsteht dabei durch zwei Leibwächter mit Pelzmützen und einen Auftritt der Queen, durch kichernde Schulmädchen in Uniformen und viele entsetzte Ausrufe von "Oh, dear!" und "Oh, no!" in übertriebenem British English. Klischees über das Inselvolk werden in dem Klamauk reihenweise aufgerollt. Die Szenen und Dialoge sind jedoch so unterhaltsam und ulkig, dass das kaum jemanden stört. Sieben Schauspieler schlüpfen im Laufe des Abends in über 50 Rollen. Manche davon sind gewöhnlich, andere abstrus. Aus dem Gully entsteigen singende Oktopusse, der Sonnenkönig stolziert im Frack über die Bühne und ein Richter in Nylonstrumpfhosen verurteilt Hammer-Mörder Maxwell zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Begleitet werden die skurrilen Einlagen von einer großen Portion schwarzen Humors und hinreißender Konzertmusik. Dirigent Michael Frei ging es dabei nicht darum, den Stil der Beatles nachzuahmen, sondern den Liedern mit den 25 Instrumenten seines Orchesters zu neuer "atmosphärischer Dichte" zu verhelfen.