Theater Dortmund

Evita

Andrew Lloyd Webber/Tim Rice

Rock Opera
Deutsche Erstaufführung der Londoner Fassung (2006)

Premiere: 12.09.2009
Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Kai Tietje
Choreographie: Eric Rentmeister
Bühnenbild: Harald B. Thor
Kostüme: Susanne Hubrich
Lichtdesign: Ralph Jürgens
Sounddesign: Lutz Essfeld
VIDEO

Darsteller

Ann Mandrella, Serkan Kaya, Hannes Brock, Markus Schneider, Eric Rentmeister, Patrizia Margagliotta, Maria Hiefinger, Daniela Grubert, Maika Wüscher, Maja Pihler, Matthias Beurer, Maik Heinze, Jason Scerri, Julian Sylva, Markus Schneider, Arthur Büscher, Jochen Schaible, Till Nau

Stückinfo
Der Politiker als Popstar – das Phänomen ist nicht neu und doch, wieder einmal, ungeheuer brisant. Was macht einen Menschen zur Ikone einer ganzen Generation? Wie ist eine Gesellschaft beschaffen, in der ein Politiker zum Heilsbringer stilisiert wird? Ist es das Bedürfnis, sich reinzuwaschen? Wovon? Doch wozu verpflichtet die Verehrung? Und was steckt hinter der Projektion? Evita Perón – Kämpferin für Frauenrechte und Ikone der Armen oder populistische Agitatorin? Heilige oder Heuchlerin? Heldin oder Antiheldin? Evita ergründet Glamour und Charisma der schillernden Eva Perón, beschreibt ihren Weg von der tristen Heimatstadt Junín in die Weltstadt Buenos Aires, ihren Aufstieg vom unehelichen Kind zur Primera Dama Argentiniens bis zu ihrem frühen Krebstod. Aus der trauernden Menge tritt einer heraus, der beobachtet, kommentiert, anklagt: Der argentinische Student Che verbindet Episoden aus Eva Peróns Leben, ist Gegengewicht und Gesprächspartner. Che Guevara, Symbolfigur wie Evita, wird ihr kontrastierend gegenübergestellt. Mit Evita landeten Tim Rice und Andrew Lloyd Webber nach „Jesus Christ Superstar“ ihren zweiten Welterfolg. Das Musical wurde zuerst als Schallplattenaufnahme vorgestellt; Songs wie „Another Suitcase in Another Hall“ und „Don’t Cry for Me, Argentina“ eroberten die Hitparaden bereits vor der Uraufführung 1978. Danach lief Evita mehrere Jahre überaus erfolgreich in London und New York und wurde mit sieben Tony Awards ausgezeichnet. (Text: Theater Dortmund)
Szenenfotos
Presse

Andreas Haider, Online-Portal Musicalzentrale

"Evita" im Kino? Diesmal jedoch nicht im Film mit Madonna, sondern als inszenatorische Metapher. Stefan Huber bringt den Webber-Klassiker stilsicher und mit exzellenter Besetzung auf die Bühne der Dortmunder Oper...Schillernd, widersprüchlich, kurz und kompakt - das vielfach beschönigte Leben der argentinischen Präsidentengattin Eva Perón wirkt in den Augen der Welt wie ein realitätsferner Kinofilm. Dieser Gedanke zieht sich als Leitfaden durch Stefan Hubers Evita-Inszenierung...Am Ende wird Evas Totenbett unter flackerndem Projektionslicht von der Bildfläche geschoben. Die Kinozuschauer verlassen den Saal - zurück in der Realität, kurzzeitig bewegt, aber nicht nachhaltig verändert. Die Dortmunder "Evita" braucht sich nicht hinter dem groß angelegten London-Revival von 2006 zu verstecken.

Sonja Müller-Eisold, Westfälische Rundschau

...Das Dortmunder Musiktheater startete mit dem Stück in die neue Spielzeit. Und hatte seinen Erfolg wohl vor allem dem Aufwand zu danken, mit dem der Regisseur Stefan Huber die Lebensstationen Eivtas rasant und bisweilen etwas überzogen ins Bild setzte...24 unterschiedliche Bilder entstehen, die Stationen dieses abenteuerlichen Lebens festhalten: skurrile, ironische, groteske, komische und tragische, große Volksszenen und temporeiche Tänze.

Julia Gaß, Ruhr Nachrichten

Sie war Hure und Heilige, Straßenkind und Diva - Eva Peron, die Santa Evita Argentiniens, hatte viele Gesichter. Stefan Huber zeigt in seiner Dortmunder Inszenierung des Musicals von Andrew Lloyd Webber in erster Linie das Glamour-Gesicht. Und die schwungvoll und mit hübschen choreografischen Ideen umgesetzte Geschichte der glanzvollen First Lady, eine Grace Kelly Südamerikas, hat in Dormtmund das Zeug, zum Erfolgsstück zu werden. Das Publikum der Saisoneröffnung der Dortmunder Oper bejubelte am Samstag Ann Mandrella in der Titelrolle, die schöne Inszenierung, die auch die tragischen Momente herausarbeitet, und das durchweg gut besetzte Ensemble...Mit Witz und Spaß an der Karikatur würzt Huber die tragische Geschichte der Frau, die nach oben will, und schafft Kontraste zu den ruhigen Bildern...Diese Inszenierung hat Tränendrüsen- und Unterhaltungs-Potenzial.

Karsten Mark, Westfälischer Anzeiger

Hubers Konzept, die Handlung weitgehend in einen Kinosaal zu verlegen, wird von Bühnenbildner Harald Thor einfallsreich und mit hohem Aufwand umgesetzt. Zahlreiche nahtlose Szenenwechsel sowie die gelungenen Choreographien von Eric Rentmeister verleihen der Produktion Tempo und optischen Reiz. Die Dortmunder Evita unterscheidet sich angenehm von vielen anderen Produktionen, in denen die Diktatorengattin am Ende doch noch wie die ebenfalls zu früh dahingeschiedene Kaiserin Sissi davonkommt...

ioco Internet Services GmbH

Einen fulminanten Einstand in die neue Spielzeit erlebte man am letzten Sonnabend im Dortmunder Opernhaus mit Webbers Musical "Evita". Um es gleich auf den Punkt zu bringen, es ist eine mit Pep und Elan inszenierte Produktion von atmosphärischer Dichte geworden, ohne Schnörkel und ohne falsches Pathos...Dem Regisseur Stefan Huber gelangen starke Szenen, und seine straffe Personenführung ermöglichte einen reibungslosen Ablauf, der ganz exzellent unterstützt wurde von der schwungvollen, witzigen Choreographie von Eric Rentmeister.

Klaus Bunte,

...Huber vertraut der Kraft der Vorlage, anstatt sie im Pomp zu ertränken, was bei anderen Werken Lloyd Webbers durchaus dienlich sein kann...

Julia M. Becker,

...Gelungene Idee des Regisseurs Stefan Huber ist die "Klammer" in Form eines Kinos: Das Stück endet wieder im Kinosaal, wo Ché den Zuschauern des Musicals die Nachricht von Eva Peróns Tod überbringt. Wenn dann der weisse Sarg leuchtend von der Decke gelassen wird, ist das der erste Gänsehautmoment der Aufführung...Am Premierenabend war es vor dem letzten Vorhang, nachdem Eva Perón ihren letzten Atemzug getan hatte, atemlos still im Dortmunder Theater - allein für so einen Moment lohnt sich der Theaterbesuch.