Theater St. Gallen

Bibi Balu

Hans Moeckel/Hans Gmür/Karl Suter

Musical

Premiere: 27.03.2010
Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Johannes Roloff
Choreographie: Danny Costello
Bühnenbild: Peter Nolle
Kostüme: Heike Seidler
Lichtdesign: Andreas Enzler
Sounddesign: Frank Sattler/Marco Del Santo
VIDEO

Darsteller

Peter Zimmermann, Romeo Meyer, Rahel Fischer, Tobias Bonn, Christoph Marti, Max Gertsch, Yael De Fries, Franziska Flückiger, Cora Wüthrich, Marion Zollinger, Martin Bacher, Pascal Illi, Jochen Schaible, Christian Sollberger

Stückinfo
«Mit einem Lächeln, eingekleidet ins Musical, wattiert mit einem helvetischen Kriminalstück, waschen sie – beinahe nebenbei – die Köpfe, wenn in ihrem Singspiel der Angriff gegen die falschverstandene Wohltätigkeit geblasen wird. ... Die geschickte Hochstapelei dieser musikalischen Komödie fesselt und amüsiert ...» (NZZ, 3. Januar 1965) Bibi Balù feierte in der Spielzeit 1964/65 am Zürcher Hechtplatztheater die erfolgreiche Uraufführung. In über 300 Vorstellungen konnte das Publikum Ruedi Walter, Ines Torelli, Jörg Schneider, Paul Bühlmann, Margrit Rainer und Eduard Huber auf der Bühne erleben. Die Geschichte der Bibi Balù basiert auf einer wahren Begebenheit. Eine Studentin aus Afrika war in Geldnot geraten und die Zürcher Woche hat zu einer Spendenaktion aufgerufen. Nachdem eine ansehnliche Summe gesammelt war, protestierte der Vater der Studentin und verbat sich jegliche Almosen. Das Geld konnte für einen anderen guten Zweck verwendet werden. Die beiden Autoren haben diese Begebenheit zu einem Gauner-Musical umgeschrieben. Ein cleveres Duo sammelt zu Gunsten des Mädchens Bibi, das von der pazifischen Insel Balu stammt, Geld und erhofft sich so selbst einen reichen Geldsegen. Dabei fehlt es den Gaunern weder an Raffinesse noch an eigenwilliger Fantasie, um an ihr Ziel zu gelangen. Bibi Balu ist ein Stück Schweizer Musicalgeschichte. Und wer wäre besser dafür geeignet, Schweizer Bühnengeschichte wieder aufleben zu lassen, als Christoph Marti und Tobias Bonn, die beide seit Jahrzehnten zur erfolgreichen Deutschschweizer Comedyformation «Die Geschwister Pfister» gehören. «Die Geschwister Pfister» werden musikalisch unterstützt von Johannes Roloff und bekamen schon etliche Auszeichnungen. Seit Anfang der 90er-Jahre spielen und singen sie sich in schrägen, schrillen und komischen Programmen in die Herzen des Publikums. Würde der Schlachtruf der Schweizer Fussballfans auch für das Theater gelten, könnte man an dieser Stelle getrost rufen: Hopp Schwiiz – Hopp San Galle – Hopp Bibi!!! (Text: Theater St. Gallen)
Szenenfotos
Presse

Alois Feusi, Neue Zürcher Zeitung

...Das St. Galler Kreativteam unter dem Regisseur Stefan Huber verzichtet auf anbiedernde Nostalgie...Die Neuinszenierung wirkt straff und schnell. Allzu Angestaubtes wurde entfernt oder ersetzt, ein paar erfrischende politische Unkorrektheiten behielt man aber klugerweise bei...Stefan Huber kürzte das Stück um eine Stunde und machte es damit jetztzeittauglich...Der köstliche Christoph Marti (Ursli Pfister), der die resolute Emma Weideli spielt, hätte Margrit Rainer gefallen. Etwas traurig gestimmt hätte sie und die anderen aber womöglich die Tatsache, dass sie in die Ostschweiz hätte fahren müssen, um die gut gelungene Neuinszenierung dieses urzürcherischen Gaunermusicals zu sehen.

Peter Surber, St. Galler Tagblatt

...Stefan Huber inszeniert mit einem herausragenden Ensemble eine rasante Schweiz-Revue...Dieses Musical ist Balsam für die gebeutelte Schweizer Seele...Denn statt helvetische Selbstbeweihräucherung ist "Bibi Balù" 2010 eine zündende, temporeiche Revue mit einem kräftigen Schuss Selbst- und Schweiz-Ironie...Ein Fundus für Regiephantasie, Slapsticks und Persiflagen, wie die umwerfend handglismete TV-Show samt Schimpansen, Baströcklein und Pazifikrauschen. Die Bühne (Peter Nolle) mischt etwas Marthaler, Edward Hopper und Sechzigerjahre-Rundungen sehr atmosphärisch, die Kostüme von Heike Seidler balancieren ebenso stilsicher auf dem Grat zwischen Zeiddokument und Zeitparodie. Auch Danny Costellos Choreographien haben sprudelnden Witz...Hans Moeckels Musik gewinnt in Johannes Roloffs Arrangements an Groove hinzu und behält, was sie seit je hatte: Witz und Swing...Das wäre, grosses Pfadi-Ehrenwort, auch am Broadway durchgegangen....Keine Qual ist das Stück offensichtlich für die Jungen. Das liegt daran, dass man über die eigenen Landsleute und sich selber einen Abend lang so viel lacht wie selten. Generationenübergreifend, herzhaft, aber nie hämisch. Das ist das Verdienst von Regisseur Stefan Huber: Seine "Bibi Balù" findet das Idealmass zwischen kritischer Distanz und liebevoller Nähe.

Herbert Büttiker, Der Landbote

Unter grossem Jubel hat sich im Theater St. Gallen die Wiederauferstehung des Schweizer Musicals ereignet: "Bibi Balù". Nach 45 Jahren trifft die Gaunerkomödie wieder mitten ins Herz der braven Schweiz...Das Gütesiegel verdient...die Produktion, die den Spendenskandal mit allem echten kabarettistischen, tänzerischen und musikalischen Kunsthandwerk als grossen musikalischen Comedy-Klamauk präsentiert...Dem Regieteam mit Stefan Huber...gelingt es mit leichter Hand glänzend, das Stück hier zu etablieren...Das Stück ist nicht auf Aktualität getrimmt worden, sondern im Gegenteil mit vielen Verweisen auf das Original zurückbezogen...Remake ist aber nur die eine Seite der Medallie, die andere ist Persiflage, mit dem Ergebnis, dass die satirische Unterhaltung jener Zeiten eben auch wieder auf den Arm genommen wird - alles zum Vergnügen eines Publikums, das die neue Swissness geniesst, die verdaulich ist, weil sie nicht frontal daherkommt, sondern sehr schön schräg. Denn niemand will der brave Schweizer sein.

Südkurier

...Und so geht's auf der Bühne in der geschickten Regie von Stefan Huber nicht nur turbulent und in den Tanzeinlagen oft wirblig, sondern im guten Sinn auch gemütvoll zu, mit fein dosierten Anleihen bei gutgemeintem Vereinstheater, mit durchaus gewollten Abstrichen an bloß äußerlicher Perfektion...Alles in allem vergnügliches Unterhaltungstheater mit Geist und Witz, engagiert gespielt und getanzt, mit einigem personellem und bühnentechnischem Aufwand in Szene gesetzt und zu Recht begeistert aufgenommen.

Frank Wesner, blickpunkt musical

...Der Regisseur Stefan Huber wollte dieses Schweizer Musical schon seit über 20 Jahren für die Bühne neu entdecken. Er fand mit dem Theater St. Gallen und Operndirektor Peter Heilker die passenden Partner...Huber ergänzte die sechs gleichwertigen Hauptrollen (!) um vier plus vier Musicaldarsteller...Am Schluss wird um die Wette gelächelt und in einem grandiosen Finale einer grandiosen Premiere fragt man sich: Wer hat denn nun mehr als eine halbe Million Franken eingesteckt?...Wiederholung andernorts durchaus erwünscht!

Gunnar Habitz, musicals

...In ´Bibi Balù´geht es u. a. ums Auswandern aus und Einwandern in die Schweiz, um Spendenwilligkeit und Spendenbetrug, um Medienwahnsinn und Kleinkariertheit. Das alles wird satirisch aufs Korn genommen. Doch obwohl die Themen heute wie damals aktuell sind, war es die richtige Entscheidung von Regisseur Stefan Huber, das Musical in seiner Entstehungszeit zu belassen...Die handwerklich hervorragende Inszenierung von Stefan Huber würde nicht ihre volle Wirkung entfalten ohne das achtköpfige Ensemble - im Original gab es ledilich die sechs Protagonisten - in der präzisen Choreografie von Danny Costello...