Theater Heilbronn

WHITE! The Album! The Beatles! 1968!

Stefan Huber und Michael Frei

Ein Beatles-Abend
Uraufführung

Premiere: 7.05.2011
Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Michael Frei
Choreographie: Eric Rentmeister
Bühnenbild: Karel Spanhak
Kostüme: Heike Seidler
Lichtdesign: Carsten George
Sounddesign: Carsten Bänfer
VIDEO

Darsteller

Sylvia Bretschneider, Angelika Hart, Susan Ihlenfeld, Julia Klotz, Alexander von Hugo, Felix Jeiter, Gabriel Kemmether, Tobias Damian Weber

Stückinfo
Eigentlich trägt das Doppelalbum der Beatles, das im November 1968 erschien, den schlichten Titel »The Beatles«. Doch weil es in der Erstausgabe auf weißes Vinyl ge- presst und mit einem weißen Cover umhüllt war, wurde es von den Fans nur »Das Weiße Album« genannt. Es wurde mit über 18 Millionen verkauften Exemplaren der größte Beatles-Bestseller. 2003 kürte es die Bibel der Rock- und Popmusik, die Zeit- schrift »Rolling Stone«, zum besten Album aller Zeiten. Die Popularität dieser Doppel-LP, auf der 30 Songs versammelt sind, wuchs mit den Jahren. Die Begeisterung wird von Generation zu Generation weitergegeben. Nun haben sich Stefan Huber und Michael Frei vom »Weißen Album« inspirieren lassen. Die beiden haben bereits mit der Inszenierung »A Day on Abbey Road« 2008 am Theater Heilbronn einen Riesenerfolg gelandet. »Das Weiße Album« umfasst den antagonistischen Zeitgeist zwischen bürgerlich beharrend und jugendlich revoltierend. Der Satz »We all want to change the world« aus dem Song »Revolution« wurde zu einem zentralen Satz der Protestbewegung. Doch John Lennon proklamierte in diesem Lied auch die Gewaltfreiheit und die planvolle Veränderung der Gesellschaft. Kein anderes Album der Beatles ist musikalisch abwechslungsreicher und innovativer. Möglicherweise weil die fabelhaften Vier begannen, sich von einer verschworenen Gemeinschaft zu einer Band von individualistischen Genies zu entwickeln, die miteinander in Konkurrenz traten. Auch wenn das der Anfang vom Ende der Beatles war, sie schenkten der Welt mit diesem Album, mit dem sie sich auf der Höhe ihres Triumphes befanden, ein popmusikalisches Monument. Es enthält so grandiose Songs wie »Back in the USSR«, »Ob-la-di, Ob-la-da«, »Blackbird«, »I will«, »Why don’t we do it on the road«, »Helter Skelter« oder eben »Revolution«.
Szenenfotos
Presse

Frank Wesner, blickpunkt musical

TRAUMHAFTES BÜHNEN(GESAMT)SPEKTAKEL. Es ist zunächst schwarz, wenn man im Heilbronner Theatersaal den Blick vor Beginn auf die Bühne richtet. Hier gibt es gleich "White - The Album! The Beatles! 1968!" Was ist das bloß? Denn so richtig eine Chance bekommt man nicht, sich vorher schlau zu machen. Es geht um die von den Beatles aufgenommene Doppelschallplatte "The Beatles", die wegen ihrer Hülle allseits als Weisses Album bezeichnet wird und 30 Lieder unterschiedlichster Stilrichtungen beinhaltet. Es befinden sich acht singende Schauspieler auf der Bühne, deren Rollennamen einzelnen Liedtiteln entlehnt sind. Ein 30-köpfiges Orchester begleitet sie. So viele?! Michael Frei leitet das beeindruckende Orchester, die Arrangements stammen ebenfalls von ihm. Hat der nicht schon mit dem Regisseur Stefan Huber die zwei anderen Abende "Pepper!-Der Beatles-Trip" am 8. April 200 an den Städtischen Bühnen Freiburg und " A Day On Abbey Road" am 15. Dezember 2007 in Heilbronn ersonnen? Oho! Was sich dann in zweimal 60 Minuten auf der Bühne ereignet, ist begeisternd! Wie aus ursprünglich zusammenhanglosen Liedern eine Geschichte zum Leben erweckt wird, unterhält auch den, der das Album nicht kennt oder mit der Musik nichts anzufangen weiß. Zu Beginn landet eine Raumfahrertruppe an Fallschirmen im schwarzen Nichts, doch unter dem schwarzen, schaumstoffartigen Untergrund tut sich etwas auf: Das weiße Album! Der Raum wird hell, das Orchester, im Hintergrund in erster Etage platziert, wird sichtbar, und so manche Überraschung und räumliche Veränderung ersteht geheimnisvoll aus dem Bühnenboden. Karel Spanhak hat wieder mit großer Phantasie dem Einspartentheater zu einem effektvollen Bühnenbild verholfen. Heike Siedlers Kostüme unterstreichen die recht unterschiedlichen Charaktere der Besetzung, die im Verlauf verschiedene Situationen des Campierens oder auch Träumens durchleben. Mit Eric Rentmeisters Choreographien wird nicht nur der Schritt zur Revue oder zum Musical gewagt, sondern dieser auch erfolgreich getan. Jeder der Protagonisten hat sein Solo, geschickt verteilt in den Ensembles, so dass nie Langeweile aufkommt und mit Spannung die nächste unerwartete Wendung erwartet wird. Alexander von Hugo begeistert als vielseitiger MC - immer speziell, interessant, witzig. Zum Ragtime "Honet Pie" wird sogar gesteppt! Es gibt vier Girl, mit Showfächern und eine Kickline! Ukulele Boy (Felix Jeiter) setzt immer wieder Akzente und leidet doch vor allem unter Captain Marvel (Gabriel Kemmether), der spontan sein geliebtes Instrument zertrümmert. Angelika Hart ist die suchende und findende Prudence Farrow. Fotograf Rikki Cooke (Tobias D. Weber) dokumentiert die Entdeckungsreise mit Ärztin Dr. Sadie Robert (Sylvia Bretschneider), Linda West (Julia Klotz) und Martha (Susan Ihlenfeld). Zwar werden Dialoge nicht wirklich vermisst und die Charaktere sind klar, aber das "Wer ist wer?" ist extrem schwierig. Da hätte Dramaturgin Karoline Felsmann ansetzen müssen. Im kostenlosen Programmheft finden sich zwar Texte über die Bedeutung des Albums, aber nichts über das Stück, die Charaktere, Fotos oder Liedabfolge. Stefan Huber schuf grosse, beeindruckende Bilder, die unerwartet begeistern. Inhaltsbedingt sind die Lieder auf Englisch und so manche Handlungslinie verliert sich in der Erinnerung des grossen Ganzen. Musikalisch höchst interessante Arrangements lassen bekannte Melodien auf neue Weise zum Theaterlied werden. Denn neben der Wiedererkennung geht es eben um eine neue Sichtweise auf ein Musikalbum. Wenn am Schluss das Abenteuer endet und die Darsteller wieder gen Bühnenhimmel schweben - welch ein Bild! - dann ist der Weg frei für Applaus, Zugaben und stehende Ovationen! Ein Zauber!