Maag MusicHall

Die Schweizermacher

Markus Schönholzer (Musik und Liedtexte), Paul Steinmann (Buch), Stefan Huber (Stückentwicklung) - Nach dem erfolgreichsten Schweizer Film von Rolf Lyssy

Musical
Welturaufführung - Nomination Prix Walo 2011/Bestes Musical

Premiere: 16.09.2010
Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Matthias Stötzel/Daniel Steger
Choreographie: Simon Eichenberger
Bühnenbild: Stephan Prattes
Kostüme: Heike Seidler
Lichtdesign: Peter Platz
Sounddesign: Gögs Andrighetto
VIDEO

Darsteller

Rolf Sommer, Andrea Zogg, Iréna Flury, Claudio Brentini, Hans Neblung, Kerstin Marie Mäkelburg, Maja Stolle, Mario Gremlich, Pamela Zottele, Gabriela Ryffel, Markus Buehlmann, Franziska Lessing, Jaymee Bellprat, Tina Ajala, Martin Bacher, Sven Olaf Denkinger, Sean Stephens, Anton Perez, Evelyn Baehler, Adrian Hochstrasser

Stückinfo
Kantonspolizist Moritz Fischer bewirbt sich bei der Fremdenpolizei. Der bärbeissige Einbürgerungsbeamte Max Bodmer nimmt den Jüngling unter seine Fittiche. Fischer soll lernen, wie Ausländerinnen und Ausländer auf ihre Schweiztauglichkeit und ihren Assimilationswillen zu prüfen sind. Die beiden Beamten observieren Francesco Grimolli, den sozialistischen Italiener, der in einer Schwarzwäldertorten-Fabrik am Fliessband arbeitet, Milena, die in der Schweiz aufgewachsene Balletttänzerin mit jugoslawischen Wurzeln sowie das deutsche Ehepaar Gertrud und Helmut Starke. Der junge «Schweizermacher» Fischer lernt dabei, die eidgenössische Geschichtslektion eines Italieners genau so einzuordnen wie den Überfall einer spiessbürgerlichen Hauswartin oder das Versöhnungsfondue seines Chefs mit dem deutschen Ehepaar. Die beiden Einbürgerungsbeamten setzen alles daran, möglichst viel über ihre Klienten in Erfahrung zu bringen. Aber dann geschieht etwas Unvorhergesehenes: Moritz Fischer verliebt sich in Milena, die schöne Tänzerin. Fischer ist im Dilemma. Eine Beziehung mit einer Einbürgerungskandidatin – darf er das? Das Techtelmechtel wird ernst, denn auch Milena verliebt sich in ihn. Doch das Glück währt nicht lange. Als Moritz bei einer Party hören muss, er sei doch nur Milenas Weg zum Schweizer Pass, ist die Liebe in Gefahr. Ungemach droht auch im Stadthaus. Bodmer stellt der Einbürgerungskommission den Antrag, der Tänzerin das Schweizer Bürgerrecht zu verweigern. In einem Showdown widersetzt sich Fischer seinem wütenden Vorgesetzten. Finden die beiden Verliebten doch wieder zusammen? Wird Francesco Grimolli ein stolzer Eidgenosse? Und dürfen Herr und Frau Starke schlussendlich die Schweizer Fahne hissen?
Szenenfotos
Video
Presse

Christian Hubschmid, Sonntagszeitung

...Das wäre 1978 nicht möglich gewesen: Moritz Fischer und Milena Vakulic landen in der Badewanne! Die "Nacktszene" im Musical "Die Schweizermacher" ist eine der schönster der dreistündigen, sehr bunten und sinnlichen Inszenierung. Und sie zeigt, dass das Musical dann am reizvollsten ist, wenn es sich vom Original entfernt und gegenüber der etwas angestaubten Vorlage frischer daherkommt...Wenn die Macher gewusst hätten, wie gut ihre Ideen funktionieren, hätten sie sich wahrscheinlich noch stärker getraut, sich vom Original zu entfernen...Wenn der schüchterne Polizeilehrling (Rolf Sommer) die wunderbare Ballade vom "Füdlibürger" singt, hat man Emil Steinbergers eigentlich uneinholbare Vorlage schon fast vergessen.

Alois Feusi, Neue Zürcher Zeitung

...Das Thema ist ernst, die Umsetzung ist charmant und unterhaltsam. Da wird virtuos mit den knorrigen Eigenheiten des Schweizerdialekts und der Schweizer Mentalität gespielt...Bühnenbild, Ausstattung und Musik lassen nichts zu wünschen übrig...Das Stück kommt mit bemerkenswerter Leichtigkeit daher. Das Lachen der Zuschauer ist kein bitteres, sondern ein vergnügtes. Den Machern der "Schweizermacher" ist es geglückt, ein ernstes Thema zu einem mehrheitstauglichen Unterhaltungsstoff zu machen...

Rosmarie Mehlin, Aargauer Zeitung

...Im brillant durchdachten und ebenso umgesetzten Bühnenbild sowie einer tempo- und einfallsreichen, packenden Inszenierung von Stefan Huber kommt das Publikum in über 20 kurzen Szenen einen Spiegel helvetischen Alltags vorgesetzt. Das ist bittersüss und köstlich wie Schoggi - aber nicht nur. Denn während dort Kalorien Sorgen bereiten können, ist es hier die Erkenntnis, dass sich am Prinzip "Die Schweizermacher" in 32 Jahren kaum was geändert hat.

Stefan Busz, Der Landbote

Im Musical "Die Schweizermacher", das in der Maag-Halle in Zürich gestern eine grosse Premiere hatte, ist dieser Himmel zu sehen, dies ganz am Schluss, wenn sich alles, was der Alltag auseinander zu bringen drohte, wieder zum Guten zusammengefunden hat. Dazwischen aber ist immer wieder die Welt stillgestanden, und es war manchmal, als regierte die Schweiz das gefrorene Herz. Keine Bewegung, nirgends. Und kein Lachen, sowieso. Vom Nebel gar nicht zu sprechen...Das gelebte Leben, das die Erinnerung an ein Land ist, das es so nicht mehr gibt, verwandelt sich im Musical in ein Versprechen für die Zukunft: dass hier alles anders werden kann. Die Vergangenheit, die hier so schön vorgeführt wird...ist mehr als nur eine Schweiz aus zweiter Hand. "Die Schweizermacher" sind immer Folie für die Gegenwart. Darüber darf die scheinbare Harmlosigkeit der vorgeführten Geschichte nicht täuschen....Natürlich haben die Macher des Musicals das Gängige schön zusammengefügt. Markus Schönholzer hat die Musik und die stimmigen Songtexte geschrieben, Paul Steinmann das Buch entworfen, Stefan Huber das Stück entwickelt und auch Regie geführt. Natürlich wurde ein formidables Ensemble ausgewählt, alle Künstlerinnen und Künstler können jede Farbe zur Geschichte auf die Bühnen bringen, zusammen mit der sehr guten Band: von traurig bis zuckersüss...Und doch steht das Musical "Die Schweizermacher" quer in der Landschaft. Denn man hat sich hier verliebt: in die Bewegung, die in diesem Stück ist. Die Welt ist hier wirklich während dreier Stunden bitzeli stillgestanden. Und dann hat man am Schluss den Himmel gesehen, der sich aufgetan hat. Grüne Wiesen, blauer Himmel. Es ist der Werbespot für die Heimat von heute. Da haben alle Platz. Die Schweizermacher. Die neuen Schweizer. Alle anderen. Wir sagen dazu: eine schöne Vorstellung.

Simone Meier, Tages Anzeiger

...Der Regisseur Stefan Huber, der Autor Paul Steinmann und der Komponist Markus Schönholzer haben aus der Altbackenheit des Films eine Tugend gemacht, habn sich jeder Aktualisierung verweigert und den Seventies-Chic überhöht...Der Rest ist Liebe. Amor vincit omnia. Die Liebe überspringt Landesgrenzen und sprengt die engen Ketten der schweizerischen Vorstellungskraft. Am liebsten möchte man dem Musical-Team die Ohren lang ziehen dafür, dass es sich auf den ältesten Trick der Unterhaltungsgeschichte verlassen und die Liebesgeschichte zwischen Moritz Fischer und Milena Vakulic ausgeschmückt hat, wo es nur ging. Aber ach, der Trick funktioniert...Und so haben wir jetzt...erneut eines dieser singenden, klingenden Unterhaltungsprodukte aus dem Genre der ein bisschen aufmüpfigen, nostalgischen Mundartkabinett-Erfolgskunst. Es ist im Vergleich zu allem Bisherigen ein besonders sorgfältig und liebevoll gemachtes...

Simone Meier, Süddeutsche Zeitung

In der Maag Music Hall, sonst Austragungsort der Schweizer Castingshow 'MusicStar', wurde aus 'Die Schweizermacher', dem meist gesehenen Schweizer Film aller Zeiten, das reizende kleine Mundart-Musical 'Die Schweizermacher'. 1978 war der Film ein Fanal gegen den fremdenfeindlichen Überwachungsstaat Schweiz, und der heißgeliebte helvetische Humorist Emil Steinberger verewigte sich als schüchterner Polizeibeamter, der eine einbürgerungswillige Ballerina überwachen muss und dank Lockerungsübungen in der Bohème schließlich von einem verklemmten Füdlibürger zum Liebhaber und Weltbürger wird. Die Mundart äußert sich nun im Musical in vertrackten Sätzen wie 'Choderet der Chuchichnächt in Chriesichueche, wird mir schlächt' (Spuckt der Küchenknecht in den Kirschkuchen, wird mir schlecht) oder 'Es isch es chogge Züüg, mit dene cheibe Bölle' (Es ist verrückt mit diesen verdammten Zwiebeln). Und es ist klar, dass sich das Musical damit wie all die anderen wahnwitzig erfolgreichen Mundart-Musicals, die seit gut fünf Jahren in der Schweiz erklingen - sei es über des Schweizers liebste Alpenmaid, das 'Heidi', oder über des Schweizers liebsten Friseur, den 'Dällebach Kari' - ausschließlich an ein der Mundart mächtiges Publikum wendet. An eines, dem all die ungehobelten 'Ch' mühelos aus dem Rachen kullern, diese 'Ch', die natürlich auch als 'CH' zu lesen sind. Denn der schrecklichste Laut der Schweiz ist ja gleichzeitig ihr offizielles Autokennzeichen. Ausgerechnet aus diesem Laut haben der Komponist Markus Schönholzer, der Autor Paul Steinmann und der Regisseur Stefan Huber nun ein beschwingtes Musical gebastelt, das auch zuverlässig die fettesten amerikanischen Musicalfilme der 1970er-Ära zitiert, 'Hair' und 'Saturday Night Fever'. So, wie die Ch-Ch-Ch-Chueh-Schweizer derzeit drauf sind, werden sie wahrscheinlich wieder zu Hunderttausenden hinströmen, denn es lässt sich ja in diesem Musical trotz lustiger Selbstgeißelung auch ein Stück trotzigen Nationalstolzes bewahren. Und der ist den störrischen Schweizern noch immer viel lieber als ein großer internationaler Traum. Der macht nämlich nur Angst. Es braucht dazu nicht einmal einen amerikanischen. Einer von der EU ist schon Albtraum genug.

ruf. NZZ am Sonntag

Der neuste Schwapp der Swissness-Musicalwelle, ein Bühnen-Remake von Rolf Lyssys Einbürgerungskomödie ist das Beste, was man aus dem hierzulande Eigenproduzierten bis jetzt zu sehen bekam: Weil es hie und da über den Anspruch guter Unterhaltung hinauslugt, indem es politisch explizite Aussagen wagt. Und weil es musikalisch nicht nur das Süffig-Schunkelige bedient...Gut möglich, dass "Die Schweizermacher" nicht an die Zahlen des Vorgängers "Ewigi Liebi" herankommen, qualitativ jedoch überflügeln sie ihn.