Theater im Rathaus Essen


Premiere: 2.09.2021 | Schauspiel

Songs für Nobodies

Joanna Murray-Smith
Deutschsprachige Erstaufführung

Stückinfo

Wenn eine Toilettenfrau den Saum von Judy Garlands Kleid repariert, eine Platzanweiserin spontan als Patsy Clines Background-Sängerin einspringt oder eine junge Reporterin verzweifelt versucht, Billie Holiday zum Reden zu bringen, dann strahlt für einen kurzen Moment die Aura der weltbekannten Diva auf eine Frau von nebenan ab und wird zum Brennglas für deren Ängste, Hoffnungen und Enttäuschungen.Mit ihrem intensiven Bühnenstück SONGS FUER NOBODIES setzt die australische Autorin Joanna Murray-Smith den Stars kein Denkmal, sondern nimmt ihre Bedeutung für ganz normale Menschen unter die Lupe. In fünf Episoden, allesamt fiktiv, aber von den historischen Figuren inspiriert schildern gewöhnliche Frauen, wie die Begegnung mit jenen Aussergewöhnlichen ihr Leben beeinflusst hat. Die Protagonistin des Abends, Schauspielerin und Sängerin Susanne Eisenkolb verkörpert neben den fünf Nobodies auch die berühmten Sängerinnen Judy Garland, Patsy Cline, Billie Holiday, Edith Piaf und Maria Callas.


Weitere Infos und Karten finden Sie auf: theater-im-rathaus.de

Kreativteam

Inszenierung: Stefan Huber
Musikalische Leitung: Patricia Martin
Bühnenbild: Heike Seidler
Kostüme: Heike Seidler
Lichtdesign: Angie Kroll/Stefan Huber
Sounddesign: Lucas Schmitz

Cast

Susanne Eisenkolb, - Patricia Martin (Piano), Genevieve O Discroll (Bass), Jonathan Schierhorn/Jan Helten (Drums)

Szenenfotos






Pressestimmen

www.abenteuer-ruhrpott.info

Mit dem hervorragenden Musical Songs for Nobodies von Joanna Murray-Smith startet das Theater im Rathaus in Essen in den Herbst. Endlich kann auch hier wieder gespielt werden. Während der Pandemie erreichte das Theater eine Anfrage von Regisseur Stefan Huber und seiner Truppe, ob man die leere Bühne nicht für Proben nutzen könnte. Warum eigentlich nicht. So entstand nach vielen Monaten eine deutsche Erstaufführung, die herausragend dargeboten wird. Es geht um fünf Nobodies, die jeweils einem Promi auf ungewöhnliche Art und Weise begegnet sind. Die daraus resultieren Geschichten sind zwar fiktiv, aber historisch inspiriert. Dabei wird die Bedeutung der großen Stars für normale Leute herausgearbeitet und zeitgleich aufgezeigt, wie normal, teilweise schwach und zerbrechlich sich so ein Künstler abseits der Bühne fühlt. Nur das Talent und das Licht machen einen Menschen zur Star auf den großen Brettern. Erwischt man den richtigen Moment, so kommt man den ganz Großen auf der Bühne auch mal sehr nahe. Die Toilettenfrau Beatrice Ethel Appleton flickt den Saum von Judy Garlands Kleid. Pearl Avalon kommt ihrem Idol Patsy Cline unerwartet sehr nahe und steht plötzlich mit ihr auf der Bühne. Edith Piaf rettet dem Vater von Edie Delamotte in einem französischen KZ das Leben. Als Billie Holiday endlich für ein Interview zu reden beginnt, startete die Karriere der jungen Redakteurin Too Junior Jones. Schlussendlich begegnet Orla Mc Donagh auf einem Kreuzfahrtschiff Promis wie Maria Callas oder Ari Onassis. Erzählt werden die fünf Geschichten von der Schauspielerin und Sängerin Susanne Eisenkolb als anspruchsvoller Solopart in 90 Minuten. Als Betrachter fühlt es sich an wie Filmszenen ohne Bilder, Kopfkino pur. Dabei schlüpft sie sehr gekonnt in die einzelnen Rollen und lässt sogar Dialoge aufkommen. Man erlebt das Leiden in einem KZ, in dem Edith Piaf auftritt, wie auch das Techtelmechtel eines Großreeders im Salon eines Kreuzfahrschiffes. Das Treffen mit Patsy Cline war absolut tragisch. Billie Holiday ist schwer gezeichnet von Alkohol und Drogen. Die Schattenseiten der Berühmtheit treten durchaus hervor. Die Frage nach dem Glücks und der Träume wird in den Raum gestellt. Ob prominent oder nicht, für beide Seiten sind diese Fragen nur schwer zu beantworten. Glück ist oft nur ein keiner Moment. Nicht nur die schauspielerische Leistung ist sehr überzeugend, sondern auch die musikalische. Zu jeder Geschichte gehören mindestens zwei musikalische Darbietungen. Von Jazz, über Chanson bis hin zu Klassik reicht die Palette. Man hört Hits wie Come Rain or Come Shine, Non, je ne regrette rien, Lady Sings the Bluesìbis zu Toscas Vissi d'arte-Arie. Susanne Eisenkolb kann mit ihren Stimmbändern auch musikalisch überzeugen. Hervorzuheben ist natürlich die dreiköpfige Band um die musikalische Leitung Patricia Martin am Klavier, Geneviève O'Driscoll an Bass und Cello sowie Jonathan Schierhorn am Schlagzeug, eine ganz feine musikalische Umsetzung. Die ist kein Musical im bekannten Stil. Durch seine besondere Art hängt man gebannt an den Lippen und Gesten von Susanne Eisenkolb. Mit Witz, Charme und nachdenklichem Ernst stellt sie Momente dar, die eine sehr besondere Note besitzen und wie eine Kurzgeschichte wirken. Stars und Nobodies kommen sich in ihrer wahren Bedeutung dabei durchaus näher.

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Markus Lamers, www.deropernfreund.de

Am 05. November 2010 fand in der Melbourne Theater Company die Uraufführung von Songs for Nobodies der bedeutenden australischen Dramatikerin Joanna Murray-Smith statt, welches nach erfolgreichen Aufführungen in London nun am vergangenen Donnerstag seine deutschsprachige Erstaufführung im Essener Theater im Rathaus feiern konnte. Beworben wir dieses Stück stellenweise als Musical, wobei es eher ein Monolog für eine Schauspielerin ist, der durch einige Lieder immer wieder aufgelockert wird. Ich gebe zu, ich mag solche Abende ganz gern, da man an einem solchen Abend immer wieder erfahren kann, wie beeindruckend ein Theaterabend auch ohne großen Aufwand sein kann. So reichen auch hier in der Inszenierung von Stefan Huber ein Stuhl, ein Tisch und ein paar kleine Requisiten um fünf Geschichten von 5 Frauen zu erzählen, deren Leben jeweils durch eine eher zufällige Begegnung mit einem Weltstar teilweise gravierend beeinflusst wurde. Da wäre zum Beispiel die Garderobenfrau Beatrice Appleton, die Judy Garland vor ihrem großen Auftritt in der Carnegie Hall den Saum am Rock repariert oder die Platzanweiserin Pearl, die durch eine kurze Backstage-Begegnung mit Patsy Cline einen ganz besonderen Abend erleben durfte, der ihr Leben nachhaltig verändert hat. Leider war dies auch der letzte Tag im Leben von Patsy Cline, die im Jahr 1963 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere im Alter von 30 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Eine kleine Sonderrolle nimmt die dritte Geschichte ein: Die britische Bibliothekarin Edie Delamotte hat Edith Piaf nämlich nie persönlich getroffen, reist aber jährlich zu ihrem Grab um sich zu bedanken, da es ohne Piafs Einsatz wahrscheinlich nie zu ihrer Geburt gekommen wäre. Dann gibt es noch die Nachwuchsjournalistin „Too Junior“, die versucht durch ein Interview mit Billie Holiday endlich den lang ersehnten Karriereschritt machen zu können. Zu guter Letzt ist da noch das Kindermädchen Orla, die davon träumt ein Luxusleben genießen zu können, im entscheidenden Moment aber gegen eine Maria Callas bei Aristoteles Onassis abblitzt. Bei all diesen frei erfundenen Geschichten geht es um Glück, Träume, Wünsche, Hoffnungen und Sorgen, die von Susanne Eisenkolb treffend auf die Bühne gebracht werden. Beachtlich wie textsicher sie sich durch diese kleinen Geschichten spielt. Auch gesanglich deckt die Schauspielerin die beachtliche Bandbreite der fünf berühmten Sängerinnen gut ab. Von “Come Rain or Come Shine” über “Amazing Grace”, “Non, Je Ne Regrette Rien” bis zu “Ain’t Nobody’s Business If I Do” sitzen alle Töne und auch bei Puccinis “Vissi d’arte” aus Tosca, mit dem der Abend sehr hörenswert ausklingt, zeigt sie eine gesanglich starke Leistung. Begleitet wird Frau Eisenkolb von Patricia Martin am Klavier, Geneviève O’Driscoll am Kontrabass und Cello sowie Jonathan Schierhorn am Schlagzeug. Alles in allem ist Songs für Nobodies ein durchaus ansprechender Theaterabend, bei dem in der besuchten Vorstellung leider nur wenige Zuschauer den Weg ins Theater im Rathaus gefunden haben. Zu sehen ist das Stück dort noch bis zum 03. Oktober 2021 und allen Freunden von Ein-Personen-Stücken kann dieser Theaterabend durchaus empfohlen werden.




Vera Eckardt, WAZ

"Songs for Nobodies“ im Essener Rathaus-Theater: Wie ein Bühnen-stück die Toilettenfrau und Weltstars wie Judy Garland auf eine Bühne bringt. Mit einer deutschsprachigen Erstaufführung meldet sich das Essener Theater im Rathaus aus der erzwungenen Corona-Pause zurück: Im unterhaltsamen Bühnenstück „Songs für Nobodies“ erzählt und singt die Schauspielerin Susanne Eisenkolb in fünf Monologen die fiktiven Geschichten von fünf einfachen Frauen und deren schicksal-haften Begegnungen mit Judy Garland, Patsy Cline, Billie Holiday, Edith Piaf und Maria Callas. Wer schon einmal einem echten Weltstar getroffen hat, wird das wahrscheinlich niemals vergessen. Und wenn dieser Star sogar Notiz von einem nimmt, gar mit einem spricht, dann kann das im besten Fall dein Leben ein Stück weit verändern. So ergeht es den fünf Frauen, die in dem Stück der australischen Dramatikerin Joanna Murray-Smith von ihren zufälligen Zusammentreffen mit den Berühmtheiten berichten.Das Toilettentreffen in der Carnegie Hall wird zum Schlüsselerlebnis. Da ist die Toilettenfrau Bea, die am stillen New Yorker Örtchen auf Judy Garland trifft und ihr kurz vor dem legendären Konzert in der Carnegie Hall noch schnell den Saum umnäht. Glück ist das Thema ihres kurzen Gesprächs, denn Glück scheint das, wonach sich beide sehnen. Glücklich ist die Platzanweiserin Pearl, die von der Countrysängerin Patsy Cline spontan auf die Bühne geholt wird und seitdem als Backgroundsängerin arbeitet. Vom Erfolg träumt die ehrgeizige Jungjournalistin Too Junior, die Billie Holiday interviewt. Die Bibliothekarin Edie verdankt Edith Piaf ihr Leben: Frankreichs berühmteste Chansonsängerin verhalf einst ihrem von den Nazis verhafteten Vater zur Flucht. Mit Einfühlungsvermögen, Anmut und Hingabe erweckt die vielseitige Wienerin Susanne Eisenkolb unter der Regie von Stefan Huber all diese Charaktere zum Leben und gibt ihnen eine Stimme. Da geht es um Liebe und Leid, Hoffnung und Träume, ausgelöst durch diesen kurzen Augenblick der Begegnung zwischen den Frauen von nebenan und den weltberühmten Diven. Susanne Eisenkolb gelingt es fabelhaft, diesen besonderen Moment einzufangen; ohne Pathos aber mit viel Gespür lässt sie die Zuschauer an den Schicksalen teilnehmen. Dafür braucht sie keinen Kostümwechsel oder neues Make-up – für die nuancierte Verwandlung reichen ihr Mimik und Gestik. Musicalstar Susanne Eisenkolb beherrscht Chanson, Countrysong und Arie. Aber nicht nur die „Nobodies“ kommen in dem 2010 in Melbourne uraufgeführten Stück zu Wort – auch die fünf unvergesslichen Weltstars haben ihren Auftritt: Ob „Come Rain Or Come Shine“ von Judy Garland, „Crazy“ von Patsy Cline, das wunderbare „Non, je ne regrette rien“ von Piaf oder Billie Holidays „Ain’t Nobodys Business If I Do“ oder Callas „Vissi d’arte“ - der ausgebildete Musicalstar Eisenkolb beherrscht den Blues wie das Chanson, den Countrysong wie die Arie und lässt sich unerschrocken wie selbstbewusst auf das Risiko ein, mit den größten Sängerinnen des vergangenen Jahrhunderts verglichen zu werden. Begleitet wird sie dabei von einem wunderbar unaufgeregten Trio: Patricia Martin am Piano, Genevieve O’Driscoll am Kontrabass und der Folkwangstudent Jonathan Schierhorn am Schlagzeug runden die 90-minütige Vorstellung perfekt ab. Das findet auch das Publikum und quittiert den kurzweiligen wie unterhaltsamen Abend mit begeistertem Applaus.